Bild: Pixabay
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Bild: klimaspuren.ch
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Kultur, Regionale News

42 Tage auf den Spuren des Klimawandels

Der Klimatreff vom 25. März 2022 war für Fastenzeitverhältnisse ziemlich reichhaltig. Reich an Selbstgebackenem, an Informationen und an Kino. Nach dem kulinarischen und informativen Teil zeigte der Verein KlimaGlarus.ch den Film «Klimaspuren» von Enrico Fröhlich. Die gleichnamige Wanderung vor einem Jahr dauerte sogar zwei Tage länger als die grosse Fastenzeit.

Teil 5 der Kulturblog-Serie zur Fastenzeit 2022 von Werner Kälin, Kulturblogger

Gut 30 Menschen kamen am Freitag im Kirchgemeindehaus Glarus zum Klimatreff zusammen – angelockt von der Aussicht auf ein Stück Fastenwähe, eine Filmpremiere und die Möglichkeit, über den Umgang mit dem Klimawandel zu diskutieren. Am gleichen Ort fand im Februar die Präsentation der ökumenischen Kampagne Sehen und handeln statt. Sie steht im Zeichen der Klimagerechtigkeit.

Eine Glarner Filmpremiere 

Der Film «Klimaspuren» dokumentiert Regionen und Menschen einer gleichnamigen Wanderung. Im Sommer 2021 marschierten 600 Menschen in 42 Tagen von Graubünden durch Liechtenstein nach St. Gallen, dann durch das Mittelland und dem Jura entlang gegen Genf. Die Gruppe besichtigte die Spuren des Klimawandels in der Schweiz. 


Bild: klimaspuren.ch

Einer der Protagonisten spricht im Film an, was auch während der Fastenzeit zentral ist: Suffizienz. Sie steht nicht einfach für Verzicht, sondern bietet die Möglichkeit, etwas Neues kennenzulernen. Um dieses Ausprobieren geht es auch beim Klimafasten. Gleich zu Beginn stossen die Wandernden auf das Thema Architektur. Es geht um Verdichtung, Baumaterialien und um den Grundsatz, möglichst viel stehen zu lassen, was schon da ist.

Beim Thema Verkehr leuchtet Bern als Velohauptstadt mit einer Infrastruktur, die das Velofahren für Acht- bis Achtzigjährige sicher macht. Im Bereich Energie geht es darum, dass mit Klimaschutz auch Geld gemacht wird, zum Bespiel mit Photovoltaik-Anlagen. Die Gesundheit ist ein besonderes Anliegen der Klimaseniorinnen, deren Leben durch Hitzewellen gefährdet ist. Auch bei ihrem Engagement geht es um Klimagerechtigkeit.

Eine der Protagonistinnen sagt im Film, sie würde gerne noch erleben, dass die Rohstoffpreise steigen. Verständlich, dass bei dieser Filmsequenz im heutigen Kontext ein Raunen des Publikums durch den Raum ging. So schnell könne sich die Welt verändern, wurde darüber im Anschluss an den Film gesagt. So schnell ginge es auch bei den Folgen der Klimaerwärmung.

In der Diskussion mit Dominik Siegrist erhielt das Publikum einen Einblick aus erster Hand in das Projekt «Klimaspuren». Der Mit-Initiant ist Institutsleiter für Landschaft und Freiraum an der Hochschule für Technik Rapperswil und kündigte für Juni ein Postkarten-Buch mit 70 Klimaspuren-Bildern an. Eines davon stamme von der Glarnerin Lisa Hämmerli.

Der Film ist auf klimaspuren.ch veröffentlicht und lässt sich online auch zu Hause anschauen.

Klimaspuren im Glarnerland

Wie auch in anderen Zusammenhängen ­– zum Beispiel bei der Grand Tour of Switzerland, am Ski-Wochenende und manchmal sogar beim Wetter – liess auch die Klimaspuren-Wanderung das Glarnerland aus. Und wie auch in anderen Zusammenhängen gäbe es genügend Gründe, ins Glarnerland zu kommen – zum Beispiel auf Klimaspurensuche. Mindestens zwei solcher Klimaspuren hat jede Glarner Gemeinde zu bieten.

Glarus Süd 1: Bergsturz von Elm

Die Geschichte des Schieferabbaus und der damit zusammenhängende Bergsturz von Elm verdeutlicht, wie trotz Warnungen die Ausbeutung der Natur fortgesetzt und dadurch ein vermeidbares Leid zur Realität für zahlreiche Familien wurde.

Glarus Süd 2: Pumpspeicherwerk Limmern und AlpinSolar

Pumspeicherkraftwerke können Strom speichern. Die Speicherung ist eine zentrale Herausforderung bei der Bereitstellung von klimaverträglichen Energieformen. Mit den erneuerbaren Energieformen Wasser und Sonne punktet das Glarnerland mit zwei Leuchttürmen am gleichen Ort.

Bild: AlpinSolar

Glarus 1: Kalkfabrik Netstal

Seit 1900 wird in der Chalchi Weisskalk genutzt. Dadurch wird nicht nur im Gestein gespeichertes COfreigesetzt, es ensteht auch CObeim Kalkbrennen. Pro Jahr stammen 48'000 Tonnen COaus der Kalkfabrik Netstal.

Glarus 2:
Waldreservat Äugstenwald-Holzflue

Im Waldreservat um UNESCO Welterbe Tektonikarena Sardona liess man dem Fichtenborkenkäfer freie Hand. Hunderte von abgestorbenen Bäumen zeugen davon. In der Sonne leuchten die Baumstämme silbrig. Durch die steigenden Temperaturen verbreietet sich der Borkenkäfer stärker. 


Bild: Werner Kälin

Glarus Nord 1: Kehrichtverbrennungsanlage Linth

Die KVA Linth soll zum Pionierbetrieb bei der CO2-Abscheidung werden. Die Technologie ist deshalb vielversprechend, weil dadurch schnell CO2 der Luft entnommen und gelagert werden können. Sie löst nicht den Umstand, dass CO2 im Überfluss entsteht. Die KVA verursacht jährlich 57'000 Tonnen CO2.

Glarus Nord 2: Seedorf Mühlehorn 

Das Dorf Mühlehorn am Walensee gilt als «Tatort» der stetig zunehmenden Mobilitätsbedürfnisse. Dorfbild und -klang der einzigen Glarner Ortschaft, die direkt an einem See liegt, sind von der Autobahn dominiert. Sie führt direkt durch den Ortskern. Der durchschnittliche Tagesverkehr liegt bei 33'000 Fahrzeugen.


Bild: Dimitri Feitknecht

Fastenwähe für Zuhause

Von der Fastenwähe gab es am Klimatreff drei Versionen aus verschiedenen Backstuben der Vorstandsmitglieder von KlimaGlarus.ch. Wer sie nachbacken will, kann das mit dem Rezept des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbands (SBLV) tun.

Landfrauenvereine eröffnen ein breites Netzwerk zu Gleichgesinnten, bieten Kurse und Anlässe an. Mehr Infos über die Glarner Bäuerinnen- und Landfrauenvereinigung gibt es beim Glarner Bauernverband.


Bild: KlimaGlarus.ch

Rezept für 12 Stück Fastenwähe

500 g Mehl | 1 – 1 ½ TL Salz | 20 g frische Hefe, zerbröckelt | 2 dl Milch | 175 g Butter, weich | 1 Eigelb zum Bestreichen | Kümmel zum Bestreuen

Mehl und Salz in einer Schüssel mischen, eine Mulde formen. Hefe, Milch und Butter in die Mulde geben. Zu einem geschmeidigen Teig kneten. Zugedeckt bei Raumtemperatur 1 bis 2 Stunden aufs Doppelte aufgehen lassen.

In 12 Stücke teilen, jedes Stück ca. 7 mm dick oval auswallen. Längs 4 je ca. 4 cm lange Schlitze einschneiden. Auf die mit Backpapier belegten Bleche legen und dabei die Schlitze etwas auseinanderziehen.

Noch einmal kurz aufgehen lassen.

Mit Eigelb bestreichen, Kümmel darüber streuen.

Bei Ober-/Unterhitze 230° Grad 10 bis 12 Minuten im Ofen backen. Bleche nach der Hälfte der Backzeit tauschen.


Weitere Artikel der Kulturblog-Serie zur Fastenzeit 2022 unter #klimafasten im Suchfeld der Glarner Agenda

Autor

Kulturblogger Glarus

Kategorie

  • Film
  • Ostschweiz

Publiziert am

30.03.2022

Webcode

www.glarneragenda.ch/79JZGh