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Kanton, Dies & Das

Eine Schriftstellerin für alle Generationen

Der 8. März 2019 war nicht nur Tag der Frau – sondern in Glarus auf der Piazza der Landesbibliothek auch Tag der Begegnung mit Federica de Cesco, einer legendären Schriftstellerin mit beachtlichem Oeuvre.

 


Federica de Cesco hat bereits eine halbe Hundertschaft Bücher veröffentlicht, aber eine Schnellschreiberin ist sie nicht: Gastgeberin Gaby Ferndriger erinnert sich bei der Begrüssung der Autorin am 8. März, Freitagabend, in der Landesbibliothek Glarus daran, wie die Bücher der 1938 geborenen Schriftstellerin sie und ihre ganze Familie durchs Leben begleiteten. Mit 15 Jahren veröffentlichte de Cesco ihren ersten Roman („Der rote Seidenschal“), welcher sie gleich bekannt machte. Mit Beharrlichkeit und Herzblut brachte sie immer weitere Bücher für Kinder und Erwachsene heraus, die alle einzigartig seien und sich nie wiederholten: „Sie sind ein Schatz, weil uns ihre Lektüre nachhaltig bereichert und beglückt“, so Ferndriger warmes und persönliches Statement. Dazwischen applaudiert das Publikum mehrfach spontan – fast andächtig. „Für Ihre Worte sollte ich Sie dreimal küssen, aber das werde ich nicht tun… aber fühlen Sie sich geküsst!“, so die charmante Antwort der Autorin, welche sich, um ihre vielen Fans nicht zu enttäuschen, trotz Erkältungsinfekt auf die Bühne bemüht hat. Um sich für ihren Auftritt mit Energie zu wappnen, habe sie rote Kleidung angelegt.


Diese Energie strahlt de Cesco heute noch aus. Ihre unerschöpfliche Neugier aufs Leben und seine Geschichten führt sie zu immer neuen Buchprojekten – so entstand auch das aktuelle, aus dem sie vorliest: „Der englische Liebhaber“. Das abenteuerlustige und rebellische Mädchen mit seinem Schalk blitzt aus das Cescos mittlerweile von Falten gezeichnetem Gesicht immer wieder hervor, wenn sie sich mit lebhafter Stimme und gestikulierend ans Publikum wendet. Schülerinnen, Lehrpersonen, Grossmütter, auch eine Handvoll Journalisten, alle hören ihr gebannt zu. Da ist zunächst die Vorgeschichte zum neuen Roman: Eine (bis anhin) ziemlich langweilige Tante im ziemlich langweiligen deutschen Münsterland vermacht de Cesco auf dem Sterbebett ihr Hab und Gut. Sie solle sich von der Nachbarin den Schlüssel zu ihrer Wohnung geben lassen und mitnehmen, was ihr gefalle. Möbel und Teppiche interessieren Federica nicht. Doch der Schmuck der Tante und ein vertrockneter Rosenstrauss im Vitrinenschrank wecken ihr Interesse. Woher kamen diese Dinge? Tagebücher, Briefe und auch Tonbänder, die sie in den Schubladen des Schrankes findet, führen sie auf die Fährte einer unglaublichen Geschichte: Die unscheinbare Tante hatte mit einem englischen Armeehauptmann nach dem Krieg eine Beziehung begonnen, in der sich beide über Jahrzehnte die Treue hielten. Das Ganze stand unter keinem guten Stern: Der Engländer war nicht nur verheiratet (und liess sich wegen seiner deutschen Freundin scheiden), er stand auch als Spion unter enger Beobachtung: So wurde er von seinen eigenen Kollegen gekidnappt und nach Übersee verschleppt, um den Kontakt zur Geliebten zu vereiteln. Alle Briefe des Liebespaares wurden abgefangen und gelangten erst nach Jahrzehnten wieder zu ihnen. Das uneheliche Kind der Beiden lernte seinen Vater erst spät kennen. Es starb, wie sein Vater, an einem Herzfehler – „oder vielleicht hat da auch jemand noch nachgeholfen“, ergänzt de Cesco. Die Stimme des Geliebten ist noch immer lebendig – auf den Tonbändern, die er für seine Freundin besprochen hat. Das Publikum in Glarus darf einer bewegenden Liebeserklärung lauschen, die am Anfang der Lesung eingespielt wird: Da ist von tiefer seelischer und körperlicher Hingabe zu hören, und dass er sie immer lieben wird. „Und er hatte nicht nur eine sexy Stimme, er sah auch noch aus wie Clark Gable“, erklärt de Cesco verschmitzt. Sie liest aus ihrem Buch zwei Kapitel aus der Kennenlernzeit des Paars. In dem zwar reichhaltigen Material blieben gewisse Lücken, die sie mit ihrer eigenen Fantasie und Sprachkunst gekonnt ausfüllte. Die Tante, welche ihr ausdrücklich erlaubt hatte, ihre privaten Unterlagen an sich zu nehmen, habe sie zu deren Lebzeiten offenbar viel zu wenig beachtet – meint de Cesco. Im Nachhinein würde sie dies nun bedauern. Aber immerhin – mit diesem Buch hat sie ihrer Verwandten ein wunderschönes Denkmal gesetzt. Schon ist die Schriftstellerin am nächsten Buch, darin wird es um ein Vater-Tochter-Gespann gehen, das Archäologie betreibt. Bei Federica de Cesco gibt es immer neue Überraschungen. Am Schluss der Lesung dürfen die Zuhörer/-innen Fragen stellen, was auch etliche tun. Und dann bildet sich vor dem Signiertisch eine lange Menschenschlange. Handfeste Bücher und direkte Begegnungen mit interessanten Persönlichkeiten scheinen also, auch in Zeiten von Facebook und Instagram, für alle Generationen einen nach wie vor unschätzbaren Wert zu haben!     

Autor

Kulturblogger Glarus

Kategorie

  • Glarus
  • Ostschweiz
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  • Zentralschweiz

Publiziert am

10.03.2019

Webcode

glarneragenda.ch/EQ9wNG