Vereinsleben pur bei den Baumpflanzaktionen von KlimaGlarus.ch
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KlimaGlarus.ch-Schneefrau im Volksgarten Glarus
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Strike for Future 21.05.2021: zu Fuss von Näfels und mit dem Velo von Schwanden nach Glarus
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KlimaGlarus.ch-Infostand bei «Chlüntel und zwar langsam»
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Shopping-Tour in der CLEVER-Ausstellung
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Vorstandssitzung KlimaGlarus.ch
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Kultur, Regionale News, Gesellschaft & Leute

Wie ein junger Verein für ein neues Klima sorgt

Nach der Frauenzentrale des Kantons Glarus und dem Verkehrsverein Ennenda geht's im Kulturblog weiter mit dem nächsten Beitrag über einen Glarner Verein. Zuvor aber: Wenn auch Sie Ihren Verein im Kulturblog auftreten lassen wollen, dann melden Sie sich für einen Gastbeitrag beim Kulturblogger-Team der Glarner Agenda.

In den Glarner Verein des heutigen Beitrags habe ich einen persönlichen Einblick. Er ist aus der weltweiten Klimabewegung entstanden und heisst KlimaGlarus.ch. Kaj Weibel ist Vorstandsmitglied und schreibt als Gastautor mit. Heute nominieren ihn übrigens die Südostschweiz Glarner Nachrichten als Glarner des Jahres.


Zeit für neue Pioniere
von Kaj Weibel, Vorstandsmitglied KlimaGlarus.ch



Der Kanton Glarus, ein Pionierkanton in der Klimapolitik? Glarus, der erste Kanton der Schweiz, der Klimaneutralität erreicht? Können Sie sich das vorstellen? Ich schon – und zusammen mit mir meine acht Vorstandkolleg:innen bei KlimaGlarus.ch.


Es mag wie ein Hirngespinst oder eine naive Hoffnung klingen. Doch so abwegig und aus der Luft gegriffen ist die Idee eines klimaneutralen Glarnerlands nicht. Der Kanton Glarus leistete immer wieder Pionierarbeit und trug schon zu manchen wichtigen Entwicklungen in der Schweiz bei.

2007 stimmten die Glarner:innen an der Landsgemeinde für die Senkung des Stimmrechtsalters von 18 auf 16 Jahre. Das Schweizer Parlament möchte es uns heute nachmachen. Auch in der Klimapolitik hat der Kanton Glarus schon Pionierleistungen erbracht. 1908 wurde das Wasserkraftwerk am Löntsch fertiggestellt. Vor dem ersten Weltkrieg war es das grösste Akkumulierwerk in der Schweiz. Hundert Jahre später gelang im Kanton Glarus mit «Linthal 2015» ein Pilotprojekt im Bereich Energiespeicherung, das mit dem Projekt «AlpinSolar» noch wegweisender für die Förderung erneuerbarer Energie wurde.


Bild: Alpinsolar, Pressebild

Neben seinem Pioniergeist hat das Glarnerland mit nur drei Gemeinden einfache politische Strukturen geschaffen. Die topografische Lage mit nur einer Hauptverkehrsachse bietet grosse, noch ungenutzte Vorteile für die bevorstehende Mobilitätswende. Dieses Potenzial hat die Klimabewegung Glarus erkannt und möchte die Chance nutzen, dem Kanton Glarus in der Schweizer Klimapolitik eine Leuchtturmrolle zu verleihen.

In einem ersten Schritt hat die Klimabewegung Glarus die Glarner:innen nach ihrer Vision für ein klimaneutrales Glarnerland gefragt, die Ergebnisse in einem Bericht zusammengefasst und diesen der Glarner Regierung überreicht. In einem zweiten Schritt wurden die Visionen vertieft. Zu diesem Prozess gehörte ein zweitägiger Workshop mit Walter Steinmann, dem ehemaligen Direktor des Bundesamts für Energie, und verschiedenen Glarner Akteuren aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Zu allen Sektoren, welche CO2 ausstossen, wurden Projektideen ausgearbeitet. Die Ideen reichen von Mobilitätshubs mit Bike- und Carsharing bis hin zu einem Klimainnovationspreis, um klimafreundliche Innovationen des Glarner Gewerbes zu fördern und ins Rampenlicht zu stellen.


Bild: Übergabe der Workshop-Berichte für ein klimaneutrales Glarnerland an das UVEK in Bern.

Um die gesammelten Projekte anzustossen, wurde am 23. Oktober 2020 der Verein KlimaGlarus.ch gegründet. Der Verein bildet das organisatorische und finanzielle Rückgrat für die Arbeitsgruppen. Diese sollen in den Bereichen Energie und Gebäude, Mobilität sowie nachhaltiger Konsum Projekte antreiben, welche die Treibhausgasemissionen senken.

Ich bin überzeugt, dass der Kanton Glarus mit weiteren Pionierleistungen in der Klimapolitik und durch das Erreichen von netto null Treibhausgasemissionen als erster Kanton der Schweiz seine wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunftsfähigkeit stärkt. Als Bergkanton ist Glarus besonders von der Erderwärmung betroffen. Zudem hat sich der Strukturwandel im Glarnerland noch verstärkt. Das zeigt sich lokal mit Veränderungen zum Beispiel in der Textilindustrie, aber auch beim Konsum: Angebot und Nachfrage im Bereich nachhaltige Lebensmittel sowie generell nachhaltige Produkte steigen. So werden im Glarnerland zwei Unverpackt-Läden betrieben und auch ein öffentlicher Kühlschrank zur Verminderung von Foodwaste erfreut sich grosser Beliebheit.

Auch auf anderen Ebenen findet der Wandel bereits statt. Immer mehr Menschen sind zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs und verbringen Zeit in der Natur. Die Zeit für eine neue Ära liegt auf der Hand – die Zeit für neue Pioniere im Glarnerland.


Gemeinsame Vision von vielfältigen Menschen
von Werner Kälin, Kulturblogger Glarner Agenda



Zugegeben: Ich bin nicht nur Kulturblogger, sondern auch zusammen mit Kaj Weibel im Vorstand von KlimaGlarus.ch. Kaj und ich sind ein typisches Beispiel für die Vielfalt der Generationen und der persönlich-beruflichen Hintergründe im Verein.

Im Vorstand und unter den Mitgliedern reicht die Altersspanne vom Kantonsschul- bis zum Pensionsalter. Das Spektrum des Backgrounds reicht vom Rettungssanitäter bis zum Bauern, von der Umweltnaturwissenschaftlerin bis zum Solarexperten, vom Alt-Landrat bis zur Gemeindaratskandidatin, von der Grafik-Lernenden bis zum Handwerker, von der Grünen bis zum Mitte-Parteimitglied, von der Ärztin bis zum Schauspieler, vom Unternehmer bis zur Studentin und von der Ur-Glarnerin bis zum Wahl-Glarner.

Weil wir hier im Kulturblog sind und heute Silvester ist, eignet sich ein Auszug aus dem Jahresrückblick mit dem veranstaltenden und kulturellen Teil der Aktivitäten von KlimaGlarus.ch im vergangenen Jahr.

17. Januar 2021: Eine kleine Gruppe baut spontan eine Schneefrau im Volksgarten. Sie steht als Zeichen für die Überwindung von Krisen. Für die Bewältigung der Coronakrise braucht es die Solidarität der jüngeren gegenüber der älteren Generation. Bei der Bewältigung der Klimakrise ist es genau umgekehrt.

17. und 24. April 2021: Über 30 Helfer:innen pflanzen hunderte Jungbäume in Glarus Süd. Regierungsrat Markus Heer und Ständerat Mathias Zopfi helfen mit, den Schutzwald ob Schwanden aufzuforsten. Trockenheit, Stürme und Schädlinge machen dem Wald zu schaffen.



21. Mai 2021:
Den Strike for Future widmet KlimaGlarus.ch dem zehnjährigen Jubiläum der Glarner Gemeindefusion. Unter dem Motto «drei klimaneutrale Gemeinden – ein überlebensfähiger Kanton» sind alle drei Gemeinden miteingeschlossen. Zu Fuss von Näfels bzw. mit dem Velo von Schwanden marschieren bzw. fahren zwei Gruppen nach Glarus klimafreundlich und gesund zur Kundgebung auf dem Rathausplatz.

8. August 2021: «Chlüntel und zwar langsam», organisiert von einer Gruppe von Menschen, denen das Klöntal sehr am Herzen liegt, lockt zahlreiche Glarner:innen zu Fuss, mit dem Velo und dem Bus zum Vorauen. Die Gäste geniessen Musik und Essen und unterhalten sich an Infoständen. KlimaGlarus.ch bietet Büchsenschiessen für Kinder, Popcorn und Informationen an.

25. August bis 15. September 2021: 32 Schulklassen besuchen die Ausstellung über nachhaltigen Konsum im Güterschuppen. Zusätzlich testen 425 Besucher:innen ihr Einkaufsverhalten. Als Rahmenprogramm gibt es einen Kleidertausch, zwei Kinoabende mit Spotnix und Käsen für Gross und Klein zusammen mit dem Glarner Bauernverband. Die Ausstellung und das Programm stossen auf grosses Interesse.



12. September 2021:
Für die Gletscherinitiative wandert eine bunt gemischte Truppe den Kärpfbrugg-Rundweg und trägt die farbigen Fahnen mit. Die Initiative wird in Bundesbern beraten.

Als lebendige Tradition ist auch die Landsgemeinde Teil des kulturellen Lebens im Glarnerland. Auch im Ring fiel KlimaGlarus.ch 2021 auf. Kaj Weibels Antrag, unterstützt von Vereinsmitglied Denise Aepli, für eine Verschärfung des Energiegesetzes wurde am 5. September angenommen. Dadurch wurde der Kanton Glarus zum Pionierkanton im Bereich Gebäudewärme.

Wer bei KlimaGlarus.ch mitmachen will, kann Mitglied und/oder in den Arbeitsgruppen aktiv werden. Die Jahresmitgliedschaft kostet 40 Franken für Einzelpersonen und 60 Franken für Paare. Für Geringverdienende ist ein Jahresbeitrag ab 15 Franken möglich. Wer erst mal schnuppern will, kann auch unverbindlich an einem Klimatreff vorbeikommen.

#Vereinskultur