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Regionale News

Sugar – berührendes Schicksal eines Ex-Junkies

Am 23. Februar füllte sich die Piazza der Landesbibliothek Glarus mit viel Publikum. Nicolas Ferndriger führte durch Lesung und Podium mit Autorin Michelle Nahlik und Fachleuten.

In ihrem Buch „Sugar“ beschreibt Michelle Nahlik die düsteren Jahre ihrer Heroin-Sucht. Eine tiefe seelische Not und Verlassenheit trieb die damals 17-jährige Vorzeigeschülerin dazu, mitten am helllichten Tag auf einer Zugfahrt einem Dealer widerstandslos den Arm hinzuhalten: ihr erster Schuss! Von ihrer bald unaufhaltsame fortschreitenden Sucht bekamen die Eltern und Lehrer nichts mit. Immer stärker wurde sie in die Szene hingezogen, realisierte zu spät, dass auch hier keine echte Liebe und Geborgenheit zu finden waren, denn den Alltag dominierte die Jagd nach Stoff. Das Tagebuch wurde Michelles „einziger Freund“, dem sie sich vorbehaltlos anvertraut. Zeichnung in schwarz und rot, mit Todes-, Schmerz- und Liebessymbolen zeugen eindrucksvoll von ihrem Kampf ums Überleben. Viele Weggeführten starben am „Sugar“, auch Nahliks beste Freundin Valérie. Dieses Ereignis markierte den Tiefpunkt, sie kam schliesslich mit einem „kalten Entzug“ von der Droge los, unterstützt von ihrer Jugendliebe Michael. Er hatte keinerlei Verbindung zur Drogenszene – die Rettung für Michelle, die eine Lehre als medizinisch-pharmazeutische Assistentin absolvierte.   


Dank einer Neuauflage ist das erstmals 2010 erschienene Buch nun wieder erhältlich. Die Autorin kam für einen ganzen Tag nach Glarus, um sich in der Pflegeschule Glarus den Fragen der jungen Auszubildenden zu stellen und abends am Podium in der Landesbibliothek zu lesen und sprechen. Der Einsatz in der Pflegeschule hat ein überwältigend positives Echo gefunden. Und auch auf der Piazza der Landesbibliothek waren die Reihen bis auf den letzten Platz gefüllt und das Publikum lauschte ergriffen. Im Gespräch zeichneten Moderator Nicolas Ferndriger und Michelle Nahlik den Weg in die Sucht nach, aber verrieten noch nicht zu viel vom Schluss. Beim Podium mit Fachpersonen im zweiten Teil fand eine interessante Verknüpfung des Gehörten statt. Andreas Kaufmann, Präsident von WUWEG (Fachgruppe Prävention Glarnerland) gab Auskunft über Risiko- und Schutzfaktoren für den Suchtmittelgebrauch. Heroin habe aktuell an Bedeutung verloren; in der schulischen Prävention ist vor allem Tabak, Alkohol, Cannabis und Medien/Online-Abhängigkeit ein Thema. Claudia Fölling, Psychotherapeutin in BTS Glarus, ist dort für den Suchtbereich zuständig. Sie legte eindrucksvoll dar, dass sich bereits vor- und nachgeburtlich der Grundstein für eine gesunde suchtfreie Entwicklung legen lässt. Ein stabiles Beziehungsnetz trage dazu bei, dass die kindliche Spannungs- und Konfliktregulation sich entwickeln könne. Alle Beteiligten sind sich einig, dass interessierte und engagierte Eltern bzw. Betreuungspersonen zum Wichtigsten gehören, um Sucht zu verhindern.  Heute gibt es zudem mehr Möglichkeiten für die Früherkennung von Problemen im schulischen Bereich. Diese Programme sind auch an den Glarner Schulen im Einsatz und mit der Schulsozialarbeit ist ein wichtiges Bindeglied zwischen allen Beteiligten gegeben. Swantje Kammerecker, Präsidenten des Vereins kulturzyt, dankte allen Beteiligten für ihr grosses Engagement. Anschliessend ergaben sich noch viele gute Gespräche zwischen Podiumsteilnehmern und dem Publikum; dies war bunt gemischt vom Teenager bis zur Seniorin, von Lehrpersonen bis zu Eltern und anderen Interessierten.            

Autor

Kulturblogger Glarus

Kategorie

  • Glarus

Publiziert am

26.02.2018

Webcode

glarneragenda.ch/CQ1iiu