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Struktur- und Kulturwandel in der Wirtschaft und Gesellschaft

Der Struktur- und Kulturwandel ist nicht nur in der Pandemie wichtig. Unabhängig von der Zeit sind  der Wandel in den Branchen einer Wirtschaft und die damit verbundenen Wertvorstellungen zentral. Es gibt Gewinner und Verlierer. Zukunftstechnologien wie die Digitalisierung sind für die Sicherung des Wohlstands und die Erhaltung der Innovation entscheidend. Die Fähigkeit einschneidende Veränderungen zu managen gehört zu den Schlüsselkompetenzen.

Das aktuelle Verständnis der Wirtschaft bezieht sich stark auf die rein wirtschaftlichen Daten, wie das Brutto-Inlandprodukt. Die Modelle zur Erklärung der wirtschaftlichen Zusammenhänge basieren auf Gleichgewichtsmodellen, obwohl für jederman einsichtig ist, dass in der Realität, schon vor der Pandemie, Ungleichgewichte die Situation dominieren. Mit der Erklärung wirtschaftlicher Phänomene ist es aber nötig die Aspekte der Soziologie einzubeziehen. Wie hängen die strukturellen Daten der Gesellschaft mit der Wirtschaft zusammen? Beispielsweise gibt es klare Zusammenhänge zwischen der Erwerbsquote von Frauen und Männern oder  der Demografie mit der Finanzierung der Altersvorsorge. Weiter sind kulturelle Aspekte bei der Entwicklung der Gesamtwirtschaft von grosser Bedeutung. Beispielsweise ist die Zunahme der psychischen Erkrankungen stark mit den definierten Krankheiten, dem Wohlbefinden und mit dem Wohlstand in Beziehung zu setzen. Beim Konsum von Gütern und Dienstleistungen ist es wesentlich, dass nicht nur Wachstumsaspekte berücksichtigt sind, sondern auch die ökologische Nachhaltigkeit bei der Produktion und im Vertrieb der Güter und Dienste. Kulturelle Themen sind mit der Ethik und der Moral des Wirtschaftens in einem Zusammenhang. Wenn es üblich ist, dass Fake-News als Wahrheit verkündet werden und sich die Konsumenten kritiklos darauf ausrichten, dann schlägt sich dieses Verhalten im Konsum nieder.

Zum Kulturgut ist der Spucktest geworden. In der Politik wird „testen, testen, testen….“ Zum Mantra erhoben. Allerdings haben sich an der Session nur rund ein Drittel dem Spucktest „unterworfen“. Der Flickenteppich der Kantone geht weiter. Es gibt Kantone, die Massentest durchführen und andere wollen das nicht. Sprichwörtlich ist auch das Datenleck bei der Anmeldung „Meine Impfungen“. Wann hört diese verbreitete Inkompetenz endlich auf? „BAG“ steht für „Bundesamt für Gemächlichkeit“ und neu für „Bundesamt für Glaubwürdigkeit“. Glaubwürdigkeit ist das was übrig bleibt, wenn ich mich verhalten habe.

Da ist es beim Verständnis des Strukturwandels einfacher, also bei der fortwährenden Veränderung der wirtschaftlichen Strukturen, vor allem bei den Branchenstrukturen. Für die Schweiz kann festgestellt werden, dass unter dem Strich die Zahl der neu geschaffenen Stellen, die der abgebauten Stellen bei weitem übertrifft. Im Kanton Zürich ist das Nettostellenwachstum seit 1980 bei 303 000 Stellen. In der Landwirtschaft und der Konsumgüterindustrie sind die Stellen seit 1980 halbiert worden. Im Immobilienwesen und der Informationstechnologie hingegen hat sich das Stellenwachstum vervierfacht. Neue Stellen sind immer mit einem Kulturwandel verbunden. Die neu geschaffenen Arbeitsplätze beinhalten andere oder höhere Qualifikationen. Damit wird die Aus- und Weiterbildung und die Flexibilität der Arbeitnehmenden auf die Prüfung gestellt. Die Erwerbstätigen passen sich an neue Situationen mit einer hohen Erwerbsquote und moderaten Stellensuchtagen an. Die Stellensuchtage sind bei saisonalen Schwankungen auf dem Arbeitsmarkt geringer.  Beim feststellbaren Rückgang der Arbeitslosenquote ist wegen der Pandemie noch abzuwarten. Das gleiche gilt für die Konkursfälle. Das Gastgewerbe spricht heute schon von 20% Betriebsschliessungen und die Hotels beklagen Auslastungsrückgänge von rund 60% bis 70% .

Der Strukturwandel hat eine höhere Intensität gewonnen. Gemessen wird der Strukturwandel mit der Intensität der Branchenzusammensetzung, gemessen an der Beschäftigung pro Jahr. Es wird sichtbar, dass der Strukturwandel in den letzten Jahren leicht abgenommen hat. Neben dem Stellenabbau in industriellen Branchen haben die Arbeitsplätze bei Dienstleistungen wie Finanzen oder Gesundheit zugenommen. Der Indexwert liegt für die Schweiz als Basis bei 100 Punkten, im Kanton Zürich bei 156 Punkten. In den letzten 5 Jahren hat sich die Arbeitsproduktivität eher verschlechtert als verbessert. Verantwortlich dafür sind die fehlenden Wachstumseffekte und der Strukturwandel. Das hat nicht nur mit Corona zu tun, weil in den letzten Jahren weniger produktive Branchen wie Dienstleistungen, Gesundheit, Reisen oder Werbung gewachsen sind.

Die Digitalisierung ist eine treibende Kraft des Struktur- und Kulturwandels. Die Branchen- und Beschäftigungsstrukturen werden nachhaltig verändert. Dies gilt auch für die Kultur der Arbeit. Der Wechsel von Routinetätigkeiten auf kognitive und materielle Nichtroutinearbeiten ist frappant.   Das Beschäftigungswachstum im digitalen Sektor ist überdurchschnittlich gewachsen. Einerseits sind Stellen verloren gegangen, andererseits sind neue Stellen mit anderen Anforderungen dazu gekommen. Seit 1980 ist die Zahl der Stellen in der Schweiz um 40% gewachsen. Bei den Löhnen ist eine klare Steigerung bei den Hoch- und Tiefqualifizierten eingetreten. Die Mittelklasse ist in den letzten Jahren aufgestiegen, weil das Bildungssystem mehr Hochqualifizierte hervorgebracht hat und bei der Einwanderung ein gesteigertes Qualifizierungsniveau feststellbar ist. Die Digitalisierung ist mit dem Anteil der Hochqualifizierten stark korreliert. Einfachere Tätigkeiten werden vermehrt ausgelagert. Die Innovationskraft wurde so erhalten oder gesteigert. Allerdings hat die Schweiz bei der Wettbewerbskraft leicht Terrain eingebüsst.

Das Gesundheitswesen gilt als wesentlicher Treiber des Struktur- und Kulturwandels. Je höher die Einkommen, desto mehr werden die Gesundheitsdienstleistungen nachgefragt. Die Steuerung erfolgt über das Angebot an Haus- und Fachärzten mit unnötigen Untersuchungen und Operationen, die Spitäler, die Entwicklung der Altersstruktur einer Gesellschaft,  die technologische Entwicklung und das Verhalten der Patienten. Das Beschäftigungswachstum im Gesundheits- und Sozialwesen betrug im Kanton Zürich in den letzten Jahren 52%. Die Politik hat bis heute keine Lösung gefunden die Kostenexplosion im Gesundheitswesen zu bremsen. Ein wesentlicher Engpass ist die Unfähigkeit zur Digitalisierung. Ausgangslage ist, dass die Behandlungskosten pro Jahr rund CHF 90 Mrd betragen. Dazu kommen nochmals rund CHF 180 Mrd Kosten für Arbeitsausfall und IV-Renten. Leider geht das hohe Beschäftigungswachstum nicht parallel zur Steigerung der Arbeitsproduktivität, im Unterschied zum Finanzsektor und zur Industrie. Die Gesundheit umfasst die psychische und körperliche Unversehrtheit und das Wohlbefinden. Am „Wohlbefinden“ ist der kulturelle Wandel ablesbar. Viele „Patienten“ betrachten die medizinischen und psychischen Dienstleistungen als Angebot in einem Supermarkt. Angststörungen, Depressionen und Burnouts nehmen zu und der Verschrieb von Beruhigungs-, Schmerzmitteln und Psychopharmaka explodiert.

Bei jedem Struktur- und Kulturwandel gibt es Gewinner und Verlierer. Hauptverliererin ist die Gastrobranche mit einem Abbau von 3400 Vollzeitstellen als Schätzwert. Gemäss Corona kommen noch 450 Stellen dazu. Weitere Verlierer gehören zu den Dienstleistern, die Kultur, Beherbergungen und der Verkehr. Gewinner sind das Garagengewerbe, die Informationstechnologie, die Elektrobranche, die öffentliche Verwaltung oder der Versandhandel. Der Weltmarktumsatz bei der Kunst ist von Dollar 64 Mrd auf Dollar 50 Mrd zurückgegangen. In der Schweiz sind die Arbeitsplätze um 4% gesunken. Die Galerienanzahl nimmt ab und die Anzahl Kunstmessen ist halbiert. Das ist schmerzlich, weil rund 80% der Galerienumsätze an Messen gemacht werden – Studie: Art Basel und UBS 2020.

Die staatlichen Unterstützungsmassnahmen in der Corona-Krise haben den Branchenumbruch abgefedert. Ohne diese Unterstützung wäre der Strukturwandel stärker ausgefallen. Das staatliche Programm ist sinnvoll. Interessant ist dabei, dass von den gesprochenen CHF 40 Mrd ein relativ kleiner Anteil genutzt worden ist. Es wird auch Firmen geholfen, die unabhängig von Corona, Insolvenzprobleme haben. Diese „Zombi-Firmen“ sind nach wie vor im Markt. Untersuchungen zeigen, dass Kredite vor allem von Firmen in Anspruch genommen wurden, die von einem Nachfrageeinbruch betroffen waren. Die Vermutung besteht, dass es sich nicht um „Zombi-Firmen“ handelt. Interessant ist, dass die Konkurse sich rückläufig entwickelt haben, was auf die Unterstützungsmassnahmen zurückzuführen ist. Möglich ist, dass es nur zur Aufschiebung von Konkursen gekommen ist, also eine ungesunde Strukturerhaltung. Wie ausgeprägt diese sein wird, hängt von der Dauer der Corona-Krise ab und davon, wie lange die Unterstützungsmassnahmen noch andauern.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die eigenen Ansprüche auf Leistung und Qualität gesunken sind, dass die Ungleichheit in der Gesellschaft weiter zunimmt, dass die Wettbewerbsfähigkeit und die Attraktivität des Standorts Schweiz leicht abnimmt. Das Bundesamt für „Gemütlichkeit“ hat Probleme im Umgang mit Big Data, der Implementation von Softwarelösungen,  beherrscht das Test- und Impfregime nur ungenügend. Das mangelhafte Impfregime führt zu volkswirtschaftlichen Kosten von rund CHF 4 Mrd pro Monat. Falsche Einschätzungen der Lage sind an der Tagesordnung. Die Schweiz und vor allem die Verwaltung ist bei der Digitalisierung ein Entwicklungsland. Dass all diese Probleme zu einer Kultur des Misstrauens führen ist unbestritten.

Eduard Hauser   

Quellen:

-        Zürcher Wirtschaftsmonitoring, der Strukturwandel auf dem Arbeitsmarkt vor und nach Corona, März 2021

-      Eduard Hauser und Karl Ehrenbaum: Patient Gesundheitssystem, zu viel des Guten oder immer noch zu wenig? Verlag tredition, Hamburg 2018

 

 

Autor

Kulturblogger Glarus

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Hauser Eduard
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Kategorie

  • Glarus

Publiziert am

25.03.2021

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