Hakenberg 1
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Hakenberg 4
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Hakenberg 5
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Hakenberg 3
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Hakenberg 6
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Das Team der Veranstalter
Das Team der Veranstalter

Dies & Das

Premiere für Kulturgesellschaft Glarus: Comedy-Abend gestreamt

Als in der Pandemie auch das bereits verkürzte Saisonprogramm nicht mehr durchführbar ist, entschliesst sich das Dritte Programm der Kulturgesellschaft Glarus, den Auftritt von Sarah Hakenberg vom 15.1.2021 zu streamen. Ressortleiter Heini Nold über eine spannende neue Kultur-Erfahrung.

„Bis jetzt war ich bei Youtube nur passiver Nutzer“, erzählt Heini Nold im Skype-Interview. Jetzt aber hat er für die Kulturgesellschaft Glarus einen eigenen Kanal eingerichtet, auf dem als erste Produktion die Glarner Aufführung von Sarah Hakenbergs Programm „Und dann kam lange nichts“ läuft. Heini Nold ist nicht nur musik- sondern auch technikaffin und geht gerne kreativ voran, wenn es neue Lösungen braucht. Bei der Kulturgesellschaft Glarus, 100-jähriger Traditionsverein, war er bereits 2013 in der Taskforce beim Changemanagement engagiert, hat sich für die Verbesserung der Technik auf der kleinen Comedy-Bühne in Näfels eingesetzt, die Videokonferenzen für die Vorstandssitzungen des Vereins eingerichtet und auch den jüngsten Neuerungsschritt für eine Modernisierung des Ticketing unterstützt.

Für die spezielle Corona-Saison 2020/2021 war man gerüstet: Es gab Schutzkonzepte (u.a. nur 50 Personen in der Aula) und ein Programm, das auf 4 statt 12 der üblichen Veranstaltungen reduziert ist, aber dennoch ein Zeichen setzt: Wir wollen tun, was möglich ist. Wir lassen die Glarner Kulturfreund*innen nicht leer ausgehen. Und so kam es dann auch – allerdings anders als erst gedacht. Dazu im Gespräch mit Heini Nold ein paar Einblicke hinter die Kulissen:

Heini Nold, wie war das, als die neue COVID-Verordnung kam, welche Veranstaltungen vor Publikum verbietet?
Den Abend abzusagen war unsere erste Reaktion, ich glaube, wir hatten das sogar schon auf der Website so kommuniziert. Dann aber diskutierten wir nochmals untereinander im Ressort (wir arbeiten da zu viert, mit Corinna Reusser, Angelika Echsel und Susanne Schwegler); wir sprachen auch mit der Künstlerin. Ihre Situation in Deutschland ist wenig rosig, die Kulturschaffenden bekommen dort sehr wenig Unterstützung. Sarah Hakenberg war sofort zu haben für die Idee, in Glarus vor Ort ihre Show zu streamen, obwohl das auch für sie eine neue Erfahrung ist.

Für euch als Veranstalter war es ebenfalls eine neue Herausforderung?
So ist es, wir ja hatten keine Erfahrung, so etwas auf die Beine zu stellen, und nun galt es gleich ernst. Wenn etwas nicht klappt, kann man die Leute auch verärgern. In die Entscheidung dafür ist eingeflossen, dass wir mit nur einer Person auf der Bühne, die sich zudem in kleinem Radius dort um den Flügel bewegt, eine gute Ausgangslage hatten zum Filmen. Auch waren mit dem Aula-Technik-Team zwei junge Leute verfügbar, die das für uns zu tragbaren Kosten durchführen konnten. Es waren keine Profis, da hätten wir mit bis zu fünfstelligen Beträgen rechnen müssen, sondern sehr engagierte Nachwuchsfilmer, die sich aber erstmal einarbeiten und schliesslich unter Zeitdruck den Film fertig machen mussten.

Ihr habt einen Semi-Livestream gemacht, wieso diese Form?
Es ist ein Mittelweg zwischen live und vorproduziert. Live ist sehr riskant, weil zwischendurch die Übertragung gestört werden kann, dann hat der Zuschauer schlechte Qualität mit Rauschen und Pixelbildern. Vorproduzieren erfordert praktisch ein Drehbuch, und man macht oft mehrere Durchgänge. Das braucht viel Aufwand und Zeit; die hatten wir nicht und wir wollten auch den Live-Eindruck gerne bewahren. Also haben wir die Show durchlaufen lassen (ein leicht verkürztes Programm), und alles aufgenommen mit zwei fixen und einer stabilisierten Handkamera, sowie der Tonspur. Das fand gegen 17 Uhr statt. Um 20 Uhr sollte die Ausstrahlung sein, dazwischen mussten wir mit den Aufnahmen auf Kamera-Sticks schnell nach Ennenda zu einem leistungsfähigen Computer, alles zusammensetzen, wieder zurück in die Kanti und dann ins Internet einspeisen… Das war ein recht ehrgeiziges Programm. Im Nachhinein also schon etwas mutig.

So war dann auch der Filmstart am Freitagabend eine halbe Stunde verzögert, woran lags?
Zuerst mal am Wetter und den damit verbundenen Störungen bei der DB und den SBB, es hat wie verrückt geschneit an diesem Tag, wir haben uns den besten Tag ausgesucht (lacht). Na, damit muss man im tiefen Winter immer rechnen, das hatten wir hie und da auch schon bei Live-Konzerten, dass Künstler später eintrafen. Und dann hatte ich, nach unseren Kalkulationen, eine dreifache Zeitreserve für alles einkalkuliert, doch effektiv brauchten wir die vierfache: Die Übertragungen der Riesendateien und das Upload brauchten viel länger als in einem vorherigen Test gemessen. Das kommt daher, wenn Dateien erheblich grösser sind, braucht das nicht proportional, sondern überproportional mehr Zeit. Beim Internet gibt es ebenfalls Instabilitäten, die sind unvorhersehbar, plötzlich kann die Bandbreite wegbrechen, das ist uns dann in der Aula so ergangen. Im Nachhinein hätten wir weniger Stress gehabt, wenn wir das Ganze nicht erst Freitag, sondern Samstag ausgestrahlt hätten. Aber nachdem was ich hörte, hat das Publikum grösstenteils geduldig gewartet, die Spannung stieg…Und so passte dann der verzögerte Start auch gleich auch zum Titel der Show: „Und dann kam lange nichts…“

Wie war die Show selber? Hat sich der ganze Aufwand gelohnt
? Wir finden, auf jeden Fall! Hunderte Personen haben zuhause teilgenommen an der Übertragung, wir haben auch sehr schöne Rückmeldungen bekommen, die Leute waren dankbar und haben es genossen. Übrigens ist der Link immer noch abrufbar via unsere Website oder direkt auf dem Youtube Kanal der Kulturgesellschaft Glarus, für die, welche es noch sehen möchten.

Mir ist aufgefallen, dass die Künstlerin ihr Programm auch etwas auf Glarus angepasst hat, das war speziell.
Ja, das Publikum hat das sicher gefreut. Ostwestfalen, wo sie jetzt lebt, und die Ostschweiz, sind ja beides Provinz… Als sie Statistiken der Lebensqualität verglich, wo Glarus laut einer Studie ziemlich weit hinten lag, hat sie das schon sehr lustig kommentiert – und im selben Zug versichert, sie erlebe Glarus als Kulturmetropole, das war erfrischend, auch ihre Dankbarkeit, dass wir das hier gemacht haben für sie und mit ihr.

Umgekehrt hat Sarah Hakenberg ja auch schon ein Stammpublikum im Glarnerland, die Kulturgesellschaft Glarus hat sie nun schon zum dritten Mal engagiert.
Ja, bereits die Programme „Der Fleischhauerball“ und „Struwwelpeter reloaded“ hatten hier in der Aula einen grossen Erfolg. Ihre unverwechselbare Art, der rabenschwarze Humor, kombiniert mit harmlos-sanfter Stimme und lächelndem Gesicht, ist immer wieder ein Erlebnis. Sie scheint mühelos zu ihren Themen zu finden, die nicht nur in Deutschland, auch hierzulande aktuell sind...

Der Unsinn von Kreuzfahrten, überprotektive Mütter, die dem Partner nicht zutrauen die Kinder zu betreuen, rechte Krawall-Brüder die sich als Umzugshelfer nützlich machen sollen… Und eben der Run auf die Kult-Grossstädte, dem sie sich nun mit dem Umzug in ein abgelegenes ostwestfälisches Städtchen entzogen hat. Ja, es war eine herrliche Mischung. Und ihr habt mit ein paar wenigen live-Zuhörer*innen auch ordentlich Stimmung gemacht.
Laut Arbeitsinspektorat durften von unserer Seite nur eine Handvoll Personen teilnehmen, die alle in einer Funktion mitwirkten. Die waren als Claqueure auch sehr aktiv; es ist wichtig für die Künstlerin, doch ein paar Gesichter – wenn auch weit verteilt im dunklen Zuschauerraum – vor sich zu haben. Bei den Refrains mitsingen durften wir leider nicht, aber Sarah Hakenberg hats dem Publikum zuhause ausdrücklich erlaubt, ja sie dazu aufgefordert. An einer Stelle, als der Kameramann sehr nah an ihr filmte, verlor sie kurz den Faden, aber diese Stelle haben wir bewusst nicht weggeschnitten, das gehörte doch irgendwie dazu. Und auch zu erwähnen: Die Zusammenarbeit mit dem Arbeitsinspektorat war sehr erfreulich, bekamen wir doch problemlos die Bewilligung für den Anlass.

Habt Ihr gehört, ob Leute auch technische Probleme hatten, die Show zu erreichen oder davon abgeschreckt wurden? Immerhin ist das Stammpublikum, also die Mitglieder der Kulturgesellschaft Glarus, zum Teil noch sehr traditionell unterwegs.
Da müssen wir noch genauer nachfragen. Ich habe aber gehört, dass manchmal mehrere Generationen vor dem Bildschirm in der Stube sassen, da gibt es dann schon jemanden, der drauskommt mit der Technik.

Wie war der Aufwand finanziell?
Ich habe früh bei unserem Kassier nachgefragt, ob das okay ist, wenn wir keine Einnahmen generieren, denn die Youtube Übertragung können wir ja nicht kostenpflichtig anbieten. Witzigerweise gab es aber wohl Leute, die versucht haben, via Website ein Ticket dafür zu kaufen, obwohl das natürlich nicht ging. Jedenfalls vom Kassier und unserem ganzen Vorstand bekam wir uneingeschränkt ein Ja, dieses Streaming zu machen. Die Kosten hielten sich noch in Grenzen, wir haben auch weniger als sonst für Werbung ausgegeben, und so konnten wir doch den Leuten etwas Schönes bieten und vielleicht auch neues Publikum dazugewinnen.

Letzte Frage, wollt Ihr dieses Format wieder anbieten, wenn die Umstände live Aufführungen nicht zulassen?
Wir denken gerade intensiv darüber nach! Natürlich ist es für die Künstler auch ein Aufwand, sie müssen das mitmachen wollen, Aufwand und Nutzen müssen im Verhältnis stehen. Schon bald stünde der nächste Abend im Dritten Programm an, das Programm von Strohmann & Kauz „Sitzläder“ am 25.2., wir werden sehen und bekanntgeben, ob es dort auch eine Option ist.

Heini, herzlichen Dank für das Gespräch, Gratulation zu dieser Premiere und weiterhin alles Gute und viel Erfolg im Dritten Programm und überhaupt für die Kulturgesellschaft Glarus!

Text: Swantje Kammerecker Bilder: zvg (Heini Nold) 

Autor

Kulturblogger Glarus

Kategorie

  • Glarus
  • Ostschweiz

Publiziert am

22.01.2021

Webcode

glarneragenda.ch/R7dD1S