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Landesbibliothek Glarus feiert mit Kunst, Klängen und Worten - 1
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Regionale News

Landesbibliothek Glarus feiert mit Kunst, Klängen und Worten

Auf der Piazza der Landesbibliothek Glarus fand am 22. April 2018 der festliche Auftakt zum Jubiläumsjahr statt: Seit 1993 ist der moderne Begegnungsort in der Alten Stadtschule präsent. Neuer Dauergast ist der Heilige Fridolin.

 Wenn Tradition und Moderne sich gegenseitig befruchten und beflügeln, kann Ausserordentliches geschehen. Die Landesbibliothek Glarus kann zu Recht stolz sein auf ihre Erfolgsgeschichte, denn sie lebt diese Synthese aufs Schönste. Ihre Geschichte ist bewegt; sie musste schon manches Mal einen „Neustart“ erleben: So etwa, als bis auf die geretteten Handschriften im Grossen Brand von Glarus 1861 die Bücher verloren gingen. Dies führte jedoch zu einer beispiellosen Solidarität und Spenden, die einen neuen hochwertigen Bestand aufzubauen vermochten. Danach folgte der Umzug ins Gerichtshaus, immerhin ein zentraler Ort. Ein weiterer Meilenstein markierte 1993 schliesslich die Übersiedlung in die Alte Stadtschule, aus welcher 1976 erst das Gymnasium ausgezogen war und später auch die Sekundarschule. Ab da gab es nebst den Magazinbeständen, die sich heute auf 100.000 Medien belaufen, eine immer stärker expandierende Freihandbibliothek und grosse, helle Räume zum Verweilen und Studieren. Bei der Renovierung waren Planer und Macher am Zug, die nicht nur viele Widerstände überwanden und einen langen Atem hatten, sondern auch klare Visionen umsetzten. Die Architektur sollte den Spirit der Einrichtung widerspiegeln. Deshalb ein Lichthof und eine zentrale Piazza als Begegnungsort (sie kann sogar durch mobile Regale noch vergrössert werden), davor der wie ein Brunnen gestaltete Empfangs- und Ausleihschalter, und als besonderes Juwel der angebaute Kinderpavillon, welcher wie Glaskristall Licht ein- und austreten lässt. Keiner der üblichen Container. Keine abgesonderten Gänge und Räume, sondern ein Ganzes, durch welches das Leben pulsiert; der eigenen Geschichte und auch seiner Lage inmitten schönster Bergnatur bewusst, ein Konzept das sich bis heute bewährt hat. Ja, die Landesbibliothek Glarus ist äusserlich jung geblieben, und sie verjüngt sich auch inhaltlich weiter: Mit der Zunahme der jungen Kunden, mit der Bereitstellung elektronischer Medien, mit Angeboten wie etwa Maker-Days (Elektronik-Bastler) und Kinder- und Familienanlässen, auf welche das Jubiläumsprogramm vom 2018 schwerpunktmässig setzt. Mit einer im Foyer aufgestellten Fanpost-Wand, auf der sich jeder äussern kann und wo bereits einige schöne Statements hängen, und mit einem Kreativwettbewerb für die Kids, Teens, Juniors („Meine Landesbibliothek in 25 Jahren“) setzt sie auf Austausch und Partizipation.  


Wie anders als noch zu Zeiten, wo Festredner Perikles Monioudis, einst ein leseversessener Knabe, zu den wohl jüngsten Besucher der alten Landesbibliothek zählte! Wenn er berichtet, wie er unter wenigen Männern still und ehrfurchtsvoll im Lesesaal hockte, bemüht in der Zeit bis 18 Uhr möglichst seinen Durst nach Buchstaben zu stillen (er besass keinen Leihausweiss), kann man sich die Atmosphäre lebhaft vorstellen. Welch ein Paradies eröffnete sich dann mit den neuen Räumen, die Augen gingen über von so viel neuem Lesestoff, und in den Studierboxen fand auch der inzwischen arrivierte Schriftsteller den richtigen Raum, um Druckfahnen seiner Bücher zu korrigieren oder an einem Roman zu schreiben (wie zuletzt „Frederick“). In einer Erzählung aus dem kürzlich neu aufgelegten Erzählband „Die Forstarbeiter am Bergrand“ (erste Auflage 1996) beschreibt der Glarner Kulturpreisträger dann auch, wie der Protagonist einer Geschichte gleich karrenweise Bücher aus der Landesbibliothek entwendet und bei sich hortet, verliebt in jedes Buch, das er mit persönlichem Gekritzel zu seinem eigenen macht. Die Kurzlesung löst beim Publikum Heiterkeit aus. Strahlende Gesichter an diesem Tag auch bei Regierungsrat Benjamin Mühlemann, der sichtlich stolz von der spannenden Erfolgsgeschichte 25 Jahre Landesbibliothek Glarus in der Alten Stadtschule berichtet, und bei Leiterin Petra Imwinkelried, die sich glücklich bekennt, seit vier Jahren hier wirken zu dürfen. Mit der Historikerin Karin Marti-Weissenbach und der jungen Mutter und Lehrerin Deborah Riccardi geben auf der Bühne auch zwei begeisterte Kundinnen einen Einblick in ihre Beziehung zur Landesbibliothek. Sie sei nicht nur fachlich spitze, sondern auch ein Ort, am dem man sich mit Kleinkindern, Lernenden oder zum gemütlichen Kaffeepäusli und Zeitunglesen gerne aufhält, die freundlichen Mitarbeiterinnen tragen wesentlich dazu bei.


So ist dann dieser offizielle Festakt, Auftakt zum Jubiläumsjahr, keineswegs eine steife Routineveranstaltung, sondern höchst spannend und unterhaltsam. Nur schon die stilechte Umrahmung durch das von Dunja Kern und Monika Waldvogel geleitete Chinderjodelchörli Glarnerland bringt die Synthese von Tradition und Zukunft wunderbar in ihren Liedern zu Gehör. In traditionellen Glarnertrachten die Mädchen, im weissen Hirthemd Buben, sind sie bereits eine Augenweide. Mit „Guggerzytli“ und „Füdlibürger“ sorgen sie schon im ersten Liederblock für beste Sonntaglaune und einige Lacher im Publikum, und nach dem grossen Schlussbouquet mit „Doggterrruschtig“, einem Potpourri, und dem Chinderchörli-Song wird begeistert Beifall gespendet.  


Davor stand aber noch ein Höhepunkt auf dem Programm: der lang angekündigte Überraschungsgast. Tatsächlich ist die Geheimhaltung offenbar bestens gelungen, denn im ausgeschrieben Quiz, wo man ein Fotoshooting mit dieser Persönlichkeit gewinnen konnte, hat niemand alle gestellten Fragen komplett richtig beantwortet. Am nächsten dran ist Rita Kretschmar. Der «Gast» ist Protagonist in einem Film (zu sehen nach der Veranstaltung), jung und alt zugleich, ein eingewanderter Glarner, er trägt zwei charakteristische Gegenstände: Stab und Bibel. Na, erraten? Der Landespatron des Kantons Glarus, einziger Menschen auf einem Schweizer Kantonswappen, erscheint in Form einer geschmiedeten Plastik, deren filigrane und dynamische Figur das schwarz und gold lackierte Metall solide und zugleich leicht verspielt wirken lässt. Enthüllt wird sie von Regierungsrat Benjamin Mühlemann und dem Künstler Christian Zimmermann. Er und das Team der Hammerschmiede Mühehorn haben ihn vor einem Jahr auf dem Lindenhof in Zürich, als der Kanton Glarus Gastkanton am Sechseläuten war, vor den erstaunten Augen vieler Zuschauer aus Eisen und Feuer erschaffen. Und er passt nun perfekt an die Wand zum Durchgang von der Piazza zu den elektronischen Medien. Dieser Fridolin geht mit der Zeit, genauso wie die Landesbibliothek Glarus.      


 


Swantje Kammerecker

Autor

Kulturblogger Glarus

Kategorie

  • Glarus
  • Ostschweiz

Publiziert am

27.04.2018

Webcode

glarneragenda.ch/2rmMVw