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Dies & Das

Kultur nach der Pandemie

Was sagt die aktuelle Zukunftsforschung über die Zeit nach der Pandemie? Wie spiegeln sich kulturelle Werte in möglichen Szenarien? Die ScMI AG für Zukunftsforschung und strategische Unternehmensführung, Paderborn, schildert acht mögliche Szenarien.

. Die goldenen Zwanziger

Es wird ein Zurück zur Normalität geben. Die Pandemie ist ein kurzer Schock. Die Erinnerung daran wird bald verblassen und die wirtschaftlichen Folgen erholen sich schnell. Die Zivilgesellschaft holt nach, was sie verpasst hat: vor allem bei den Freizeit- und Konsumaktivitäten.

Doch: was ist „normal“? Ist es normal, wenn die Finanzindustrie mit rund Mrd 3 800.-- in nicht erneuerbare Energien investiert ist und immer noch den Kohlenabbau unterstützt? Ist es normal, wenn die Ungleichheit bei den Einkommen und Vermögen weiter zunimmt? Das Empfinden für Gerechtigkeit ist angeboren und die Ungleichheit kann zu Krisen führen.  Ist es normal, wenn die Bildungschancen vom Einkommen der Eltern abhängig sind und rund 50% der Stipendienanfragen negativ beantwortet werden? Ist es normal, wenn die psychiatrischen Kliniken für Jugendliche überfüllt sind? Silberstreifen am Horizont sind da und dort  erkennbar, doch der Weg ist weit für nachhaltige Investments.

. Das Pandemische Jahrzehnt

Resilienz und Flexibilität in der Zivilbevölkerung sind zentrale Momente. Die Pandemie ist nur der Anfang, neue Pandemien verändern die Welt. Der Klimawandel ist nicht mehr im Fokus. Wirtschaftliche Einbrüche sind unabdingbar. Die Städte verlieren an Attraktivität und die Zivilgesellschaft findet in kleineren Einheiten statt.

Die erste Welle hat die Schweiz gut gemeistert. Staatliche Unterstützungen haben gegriffen. Die Selbständigen, Angestellte mit tiefen Pensen und junge Erwachsene sind von der Pandemie am stärksten getroffen worden. Die Flexibilisierung des Arbeitsgesetzes könnte ein Gegengewicht bilden. Der Strukturwandel darf nicht gefährdet werden. Es ist damit zu rechnen, dass die Verlängerung der Arbeitslosentaggelder die Arbeitslosigkeit verlängert. Die Erwerbsquote hat nur kurzfristig abgenommen und die Arbeitslosigkeit hat 2020 um moderate 0,8% zugenommen. Die Arbeitsstunden haben um rund 3,7% abgenommen, wobei die Branchen ganz unterschiedlich betroffen waren. Die Erwerbstätigkeit der Frauen hat stark auf die konjunkturellen Verwerfungen reagiert. Ein Viertel der Beschäftigten war auf Kurzarbeit eingestellt, was zur moderaten Erhöhung der Arbeitslosigkeit geführt hat. Der Trend zur Home-Office-Arbeit hat zugenommen und sich stabilisiert. Mittlerweile sind wir in der vierten Welle, getragen von widersprüchlichen Massnahmen und einer starken Gegnerschaft gegen das Zertifikat.

. Abschied von Gewohntem

Das Klimaproblem führt zu veränderten Prioritäten. Die regionale Produktion gewinnt an Bedeutung und globale Warenströme reduzieren sich. Die Kommunikation findet schwerpunktmässig virtuell statt, kombiniert mit einer Rückbesinnung auf nachhaltige Werte. Der Konsumverzicht wird zum Thema.

Die „Glokalisierung“ ist eine Alternative zur ungebremsten Globalisierung. Die neue Seidenstrasse wird von Bedeutung sein. Parallel dazu ziehen immer mehr Firmen ihre Produktion in die Herkunftsländer zurück. Dies ist dank der Digitalisierung möglich und fördert die Produktivität. Aktuell unterstützen unterbrochene Lieferketten diese Entwicklungen. Die Menschen telefonieren im Lockdown deutlich mehr, vor allem die Frauen; die Gesprächsdauer hat sich um 140% gesteigert. Die Männer steigern ihr Mobilitätsverhalten deutlich. Der Strombedarf steigt kontinuierlich, sei es durch die Elektromobilität oder Bitcoin. Der beste Weg ist und bleibt der drastische Verzicht. Weitere Möglichkeiten für den Abschied von Gewohntem sind Integration von Frauen ins Berufsleben, ein zeitgemässes Bildungssystem mit Chancengleichheit, die Öffnung der digitalen Landesgrenzen, die Einführung der Individualbesteuerung oder sogar das bedingungslose Grundeinkommen mit radikalen Änderungen im Steuersystem. Der Staat muss bei Ausgaben von Mrd 25 für die Pandemiebewältigung  von seiner Allmacht Abschied nehmen.

. Neue globale Dynamik

Die Pandemie hat zum Umdenken geführt. Die transnationale Politik ist wichtiger geworden. Dies führt zu neuen Rahmenbedingungen. Der Arbeitsmarkt verändert sich: Karriere und beruflicher Erfolg sind mit Sinnstiftung und persönlicher Entwicklung verknüpft. Informationsangebote sind vielfältig und hochwertig. Offenheit, Neugierde und Innovation stehen auf der Prioritätenliste ganz oben. Pandemien werden nicht mehr als Bedrohung erlebt.

Kaum ein Land hat mehr Freihandelsabkommen abgeschlossen als die Schweiz. Es  scheint aber, dass der Elan in den letzten 5 Jahren verflogen ist. Die Schweiz ist unter Druck die Zugänge zu den Märkten für die Exportwirtschaft und den Wohlstand offen zu halten. Mit den wichtigsten Handelspartnern gibt es Stillstand oder Rückschritte, mehrere Chancen mit den USA sind verpasst worden. Die Ausgangslage für die Modernisierung bestehender Abkommen ist schwierig geworden. Es fehlt an Visionen. Das Prinzip Hoffnung steht im Zentrum.

Öffentliche und private Akteure haben in der Pandemiekrise die Kräfte zur Bekämpfung gebündelt. Die Intensivstationen in den Spitälern konnten wegen des Engagements der Zuständigen vor der Überlastung geschützt werden. Im Gesundheitssystem gibt es zahlreiche Ineffizienzen und falsche Anreizsysteme. Behörden genehmigen die reklamierten und zu hohen Medikamentenpreise. Sie legen die Krankenversicherungsprämien in der Grundversicherung fest. Die Politik handelt bei der Anzahl Spitäler ungeschickt, weil Interessenkonflikte vorhanden sind. Der Staat sollte Rahmenbedingungen festlegen, die den grössten Beitrag zur Gesundheit pro investiertem Franken garantieren. Dieses Werteverhältnis ist nicht dokumentiert. Die klinische Qualität ist bei den Erhebungen im Zentrum, nicht deren Relevanz. Die Nachhaltigkeit des Gesundheitssystems ist nicht garantiert.

. Massive Virtualisierung

Die Sicherheit und die neue Nähe im Netz hat sich bestätigt. Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie sind schnell überwunden und digitale Angebote dominieren das Wirtschafts- und Arbeitsleben. Über die Vernetzung entsteht ein globales Bewusstsein und die „Vereinigten Staaten von Europa“ sind keine Utopie mehr. Das Social Distancing bleibt, mit  erhöhter Datenoffenheit.

Der Alltag ist geprägt von Risikovermeidung. Die digitale Innenwelt der Schweiz soll den EU-Binnenmarkt ergänzen und die Hürden für den digitalen Handel senken. Dafür gibt es harmonisierte Regelungen und gemeinsame Richtlinien für die Cybersicherheit. Zuviele Prozesse der Digitalisierung werden im Ist-Zustand abgebildet. Es fehlen die disruptiven Innovationen.  Schweizer Unternehmen können sich nicht eigenständig an die Regelnder EU anpassen; Beispiele sind die Entwicklung von 5G oder die elektronische Identität. Der Abbruch der Verhandlungen zum Rahmenabkommen hat eine Teilnahme am digitalen Handel und  der Forschung verkompliziert oder zum Teil verhindert. Entscheidend ist, dass die Schweiz den Dialog weiterentwickelt und nicht ins Hintertreffen gerät.

. In Corporate Hands

Die Entschleunigung wird von einer massiven Beschleunigung im Alltag und der Wirtschaft abgelöst. Die Arbeit ist flexibilisiert. Neue Pandemien werden frühzeitig erkannt und können ünterdrückt werden. Unternehmen mit langfristigem Horizont und globaler Orientierung prägen die Wirtschaft und Politik. Wer in der digitalen Welt nicht mithalten kann wird ausgegrenzt. Soziale Vereinsamung ist eine Folge.

Die Schweiz ist unter starkem Vollzugszwang, den aktuellen Föderalismus zu hinterfragen und zu renovieren. Der Reformstau ist mit neuen Formen der demokratischen Auseinandersetzung aufzuheben. Diese neuen Formen, beispielsweise „citizen assemblies“, tragen dazu bei, dass die Innovations- und Wettbewerbskraft erhalten bleibt und der Wohlstand garantiert ist.

. Die kontinuierliche Krise

Es kommt weltweit zu schweren Rezessionen, mit starkem Anstieg der Arbeitslosigkeit. Die weltwirtschaftliche Dynamik ist gebremst. Klima- und Umweltschutz haben keine Priorität mehr. Die Innovationsfähigkeit geht immer mehr zurück. Es besteht der Wunsch nach einer Politik der „starken Hand“.

Der Schuldenberg der Schweizer:innen ist von CHF 100 000.—pro Kopf weiter stark angestiegen. Die Schere in der Zivilgesellschaft geht noch weiter auf. Die Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten verschärfen sich. Die Verschuldung der Privaten und des Staats ist stark angestiegen.

. Zerfall der Ordnung

Die Pandemie führt zum totalen Kontrollverlust und der Entsolidarisierung der Zivilgesellschaft. Die Arbeitslosigkeit steigt sprunghaft an. Es entstehen gesellschaftliche Konflikte mit Revolutionspotenzial. Staatsbankrotte sind nicht aufzuhalten. Die Verantwortlichen verschliessen die Augen bei den Klimafolgen. Die Menschen leben in Unsicherheit mit Kontrollverlust und ziehen sich ins private Leben zurück. Jeder kämpft um seine Privilegien. Die Ellbogen-Gesellschaft sorgt dafür, dass immer mehr Menschen zurückbleiben.

 

Zusammenfassung

Man kann oder muss sich jetzt fragen, welches Szenario trifft mit welcher Wahrscheinlichkeit ein? Der Zukunftsforscher Matthias Horx geht davon aus, dass es nach der Pandemie kein Zurück zur „Normalität“ geben wird. Nehmen wir doch zur Kenntnis, dass sich die Prognosen nur selten so einstellen, wie sich dies Experten vorstellen. Ersten kommt es anders und zweitens als man denkt, das kennen wir alle auch aus der persönlichen Perspektive. Wenn wir aber davon ausgehen, dass es heute eher möglich ist eingetretene Krisen wirtschaftlich und gesellschaftlich zu lösen, dann ist die Optik auf die Szenarien eine andere.

Die aufgeführten Szenarien sind nicht absolut trennscharf, so dass verschiedene Szenarien ineinander hineinspielen. Bei der Berücksichtigung dieser Ausgangslage scheint es mir wahrscheinlich zu sein, dass die folgenden Szenarien eintreffen können: Der „Abschied von Gewohntem“ und die „Neue globale Dynamik“ bieten sich an.

Eduard Hauser 

Autor

Kulturblogger Glarus

Kontakt

Hauser Eduard
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hauser.eduard@gmail.com
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Kategorie

  • Top News national / international

Publiziert am

07.11.2021

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