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Dies & Das

Kultur der Freiheit

Die "Freiheit" ist ein aktuellen Thema und ein kultureller Wert, der an die Wurzeln der Zivilgesellschaft greift. Was ist "Freiheit?"

Die Entwicklung des Freiheitsbegriffs


Es lohnt sich dem Begriff „Freiheit“ nachzuspüren und die kulturellen Wurzeln anzusehen. „Freiheit“ kommt von „libertas“ und wird heute als die Möglichkeit verstanden, ohne Zwang zwischen unterschiedlichen Möglichkeiten auszuwählen und entscheiden zu können. „Freiheit“ ist demnach ein Zustand der Autonomie eines Menschen. Es geht um das germanische „fri-halsa“, was bedeutet, dass jemanden sein Hals selbst gehört, also über sich selbst verfügen kann. Der Mensch gehört zu einer Gemeinschaft von einander Nahestehenden und Gleichberechtigten. Es handelt sich um einen friedlichen Zustand, der gemeinsam gegen Übergriffe Dritter verteidigt wird. Freiheit ist mit der Frage der Legitimität des eigenen Handelns und des Beschränkens fremden Handelns verbunden.


Die Handlungsfreiheit ist in der abendländischen Rechtstradition zentral. Sie kann von äusseren Umständen wie Zwang durch Andere beschränkt und aufgehoben werden. Eine klassische Debatte ist, ob der Wille des Menschen prinzipiell frei oder als Kausalereignis von der Natur determiniert ist. Die moderne Neurowissenschaft1) geht davon aus, dass jeder Mensch in einem Netz von Prädispositionen lebt, welches die Willensfreiheit relativiert. Bei der komplementären Sicht der Persönlichkeitsmerkmale eines Menschen stehen sich „Freiheitsorientierung und Integrationsfähigkeit“ gegenüber. Bei einer sehr starken Ausprägung der Freiheitsorientierung ist die Integration in der Zivilgesellschaft unmöglich. Umgekehrt gilt für die sehr starke Integrationsfähigkeit, dass die Freiheitsorientierung unwesentlich ist. An diesen extremen Polen der Merkmale entstehen die Ängste der Menschen, welche bis zur neurotischen Ausrichtung eines Merkmals führen kann.  Die Freiheit kann als eine Phase ohne Zwang, aber unter Einsicht der Notwendigkeit beschrieben werden. Der freie Mensch ist sich über seine Art der Determinierung mit einem Akt der Vernunft bewusst. Je stärker dieses Bewusstsein ausgeprägt ist, desto weniger ist der Mensch der Determinierung ausgeliefert.


Von grosser Bedeutung ist die Frage der Verantwortung, die für das Handeln von Menschen gilt. Im 20igsten Jahrhundert gilt in unserer Kultur der Liberalismus, dessen Hauptanliegen politische Selbstbestimmung, Schutz des Individuums und Freiheit des wirtschaftlichen Handelns sind. Aktuell gilt die „positive Freiheit“, also die Möglichkeit der Selbstverwirklichung und  der demokratischen Selbstregierung einer Gemeinschaft. Es bedeutet nach freiem Willen handeln und somit über sich selbst und über andere Macht ausüben zu können. Mit der „bürgerlichen Freiheit“ ist die Teilhabe an gesellschaftlich-politischer Macht gemeint. Das Verständnis der „sozialen Freiheit“ definiert sich als Abwesenheit externer sozialer Beschränkungen.


Mit Immanuel Kants2) Freiheitsbegriff ist Freiheit nur durch Vernunft möglich. Ohne Vernunft folgt der Mensch seinen Trieben. Kraft seiner Vernunft ist der Mensch in der Lage das Gute zu erkennen und sein eigenes Verhalten darin pflichtgemäss auszurichten. Freies und moralisches Handeln sind ebenso Synonyme wie der freie und der gute Wille. Freiheit und Pflicht gehören zusammen. Nur die pflichtgemässe Entscheidung ist auch eine freie Entscheidung. Die Freiheit zu tun, was man will ist genau das Gegenteil davon, zu tun, wozu man Lust hat, weil die Lust der Menschen von der eigenen Freiheitsentfaltung abhält. Die kantsche Freiheitsdefinition ist die ideengeschichtlich erfolgreichste, weil sie als wirksame Festlegung des Freiheitsbegriffs gilt. Der kategorische Imperativ von Kant ist das grundlegende Prinzip ethischen Handelns. Der Imperativ lautet:“ Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die Du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“.


Im 19. und 20. Jahrhundert hat sich der Freiheitsbegriff entwickelt.  Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit waren die Ideale der französischen Revolution. In der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte ist das Gottesgnadentum abgeschafft worden. John Stuart Mill3), der britische Philosoph und Nationalökonom, formuliert den einzigen Grund, aus dem die Menschheit sich in die Handlungsfreiheit ihrer Mitglieder einzumischen befugt ist; es gilt  die Schädigung anderer zu verhüten. Eine erstaunliche Parallele zur aktuellen Diskussion rund um die Freiheit. Nach Friedrich von  Hayek ist Freiheit ein Zustand, in dem ein Mensch nicht dem willkürlichen Zwang durch den Willen eines anderen unterworfen ist. In der heutigen Zeit findet der Freiheitsbegriff die häufigste Verwendung im Bereich der politischen Freiheit. Die Werte Meinungs-, Presse- oder Demonstrationsfreiheit sind zentral. Die Menschen sollen sich am politischen Diskurs beteiligen und den Willen in demokratischer Weise in den Willensbildungsprozess einbringen können. Die freiheitliche Staatsordnung wird durch die Rechtsstaatlichkeit und durch Demokratie und Marktwirtschaft gewährleistet. Merkmale der freien Marktwirtschaft sind Privateigentum, Vertragsfreiheit, Gewerbefreiheit, Konsumentenfreiheit, freie Berufswahl, freier Marktzugang und freier Wettbewerb.  Mit einem kritischen Diskurs muss allerdings gesehen werden, dass diese Freiheiten zum Teil eingeschränkt sind und einem Idealzustand entsprechen.


Freiheit im globalen Kontext


Joseph Heinrich von der Harvard University, zeigt auf, dass im globalen Kontext die freiheitlichen Demokratien in der Minderheit sind. Er hat aus dem englischen Wort „seltsam“ oder „weird“. Die Formel für die globalen Unterschiede entwickelt und beschrieben. „W“ steht für „western“, „E“ für „educated“, „I“ für „industrialized“, „R“ für „rich“ und „D“ für „democratic“. Eine gelungene Sicht, die den Unterschied von Staatsformen gut charakterisiert. Für Heinrich ist ein wesentlicher Grund für die Unterschiede, dass es in den westlichen Staaten ein Cousinen-Heirats-Verbot gibt. Dieses Verbot verhindert im wesentlichen die Macht der Clans, die Stammesgesellschaften, die Vetternwirtschaft und die Korruption. Italien ist mit der Mafia ein gutes Beispiel, dass es diese Formen der Korruption auch in einer Demokratie geben kann. Die Kleinfamile hat die Struktur der Gesellschaft und das menschliche Gehirn verändert. Das Denken hat sich so entwickelt, dass eine Selbstprogrammierung möglich geworden ist und sich von Geburt an die sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Umstände anpassen. Das Gehirn ist also durch die kulturelle Evolution geprägt. Der Westen ist zwar fähig schlimme Dinge im Ausland zu reduzieren, aber nicht fähig gute Dinge zu bewerkstelligen. Beispiele sind Afghanistan, Syrien, Irak etc.


Freiheit und Corona


Mit der Pandemie sind heftige Diskussionen rund um die persönliche Freiheit en vogue. Impfgegner und geimpfte Personen liegen sich in den Haaren und beschwören einen „neuen Graben“ in der Zivilgesellschaft. Impfgegner berufen sich auf ihre persönliche Freiheit zu entscheiden, ob sie sich impfen sollen oder nicht. Geimpfte Personen haben wenig Verständnis für diese Haltung, weil klar ist, dass auf den Intensivstationen rund 90% jüngere Patienten – häufig ohne Vorerkrankungen -  liegen, die nicht geimpft sind. Beide „Parteien“ berufen sich auf Fakten. Die Impfgegner argumentieren jenseits der wissenschaftlichen Erkenntnissen oder bezweifeln diese. Es ist anspruchsvoll zwischen Fakenews und wissenschaftlichen Erkenntnissen zu unterscheiden. Klar ist, dass die Menschen vor allem jene Informationen aufnehmen und für wahrheitsgetreu halten, die ihre persönlichen Vorstellungen spiegeln, ob falsch oder richtig sei dahingestellt. Den urban gebildeten Grünen und SP-Eliten sind die getroffenen Massnahmen zu wenig, der industriellen SVP ist alles zu viel und die migrantisch ausgegrenzte Schweiz ist misstrauisch, selbst wenn sich Ansteckungen aus den Ferien in entsprechenden Ländern häufen. Die Botschaft des Bundesrats ist ein Impfappell an die albanische TV-Zuschauerschaft, ohne die angesteckten Rückkehrer ausgrenzen zu wollen. Per 4.9.21 ist die Schweiz, verglichen mit Europa, das Land mit den meisten Coronapatienten pro Kopf auf den Intensivstationen.


Wenn die Hintergründe zum Freiheitsverständnis berücksichtigt werden, wird die Vernunft und die Erkenntnis welche zu einer vernünftigen Sichtweise führt, in Frage gestellt. Vernunft kann nur entstehen, wenn der Mensch über sich selbst und das was passiert, vorurteilsfrei reflektiert. Die Politik betont immer wieder in mehrfachen Wiederholungen, dass die persönliche Freiheit eine Entscheidung zu treffen zur Basis des demokratischen Verständnisses gehört. Cervelat-Promis und andere prominente Personen werden angefragt, ob sie ihre Stellungnahmen zum Impf“Zwang“ abgeben können und wollen. Es zeigt sich, dass diese Art Werbung ein Fehlschlag ist. Promis haben Angst vor negativen Kommentaren. Der Höhepunkt ist erreicht mit der positiven Ansteckung des Captains der Fussballnationalmannschaft.


Allerdings sind wir aktuell in der vierten Welle angekommen und müssen vermuten, dass die Zögerlichkeit bei der Ausweitung der Zertifikatsausweitung zu einer weiteren Verstärkung der Pandemie führen kann und die Möglichkeit verstärkt, dass das Virus neue Variationen entwickelt. Werden die getroffenen Massnahmen in der Schweiz ins Verhältnis zum wirtschaftlichen Ausmass der Krise gesetzt, hat die Schweiz zur Bekämpfung der Pandemie bisher pro Kopf CHF 5.—ausgegeben, in den USA CHF 15.—und in Grossbritannien CHF 8.--


Quellen:


1)      G. Roth: über den Menschen, Suhrkamp, 2021


2)      Im. Kant: Kritik der reinen Vernunft, Reclam, 1966


3)      J.St. Mill: Über die Freiheit, Reclam, Stuttgart, 2013


4)      F. A. von Hayek: Die Verfassung der Freiheit, Mohr-Siebeck, Tübingen, 1991


Eduard Hauser

Autor

Kulturblogger Glarus

Kontakt

Hauser Eduard
Blogger
Biäschenstrasse 10
8872 Weesen
hauser.eduard@gmail.com
079 375 81 99

Kategorie

  • Glarus

Publiziert am

06.09.2021

Webcode

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