Frauenkiste, Videoskulptur
Frauenkiste, Videoskulptur
made-in-for-china, Videoskulptur
made-in-for-china, Videoskulptur
Turkishbad, Videoskulptur
Turkishbad, Videoskulptur
humanclock, Videoskulptur
humanclock, Videoskulptur
Maria Statue, Videoskulptur
Maria Statue, Videoskulptur
Portrait Marck
Portrait Marck

Kultur

Künstlerportrait Marck – Videoskulpturen an der Coronaausstellung

Marck zeigt an der Ausstellung #coronakunstglarus zwei Videoskulpturen. Vernissage im Güterschuppen ist am 26. September 2020 um 16 Uhr.

Marck – *1964 Filzbach und Zürich – ist mit Herzblut Künstler, weil er schon immer kreativ arbeiten wollte, immer Dinge hergestellt hat und – in der Eigeneinschätzung – für bürgerliche Berufe ungeeignet ist. Marck: „Kunst ist für mich der Weg, meine Ideen und Kreationen zu einem Beruf zu machen“.

Seine Herkunft zeigt einen breiten Spannungsbogen. Die Mutter aus einem bürgerlichen Haushalt, mit Villa am See und einem Gerichtspräsidenten als Vater. Seinen Vater beschreibt er als „James-Dean-Typ“, Automechaniker und Bauernsohn. Diese schichtspezifische Ambivalenz ist für Marck prägend. „Mir war nie klar, wohin ich gehöre. Jetzt habe ich, dank diesem Spannungsbogen, beides in mir. Die Bildung und das Bodenständige, das Handwerkliche und das Hehre der Kultur“.

Die Jugendbewegung der 80iger Jahre hat Marck fasziniert und gleichzeitig erschreckt. Er wollte Rockstar werden und hatte mit 25 Jahren eine eigene Band. Rock`n Roll als Gelegenheit sich auszuleben und kreativ zu schaffen. Die Gewalt und Drogensucht der Jugend aus dieser Zeit hat Marck nie fasziniert. Zur Kunst gekommen ist Marck über selbst entworfene Dinge. Während der Technowelle hat er in Clubs Monitore an die Wände gebaut und die Visuals entworfen. Die Technik ist dem Pflichtbewusstsein entgegengekommen und hat genaues Arbeiten unabdingbar gemacht. Die Farbigkeit und Knalligkeit der Arbeiten haben in der Kunstszene Aufmerksamkeit ausgelöst und mit der Arbeit „Frauenkiste“ von 2007 ist der Durchbruch gelungen.

Zukunft hat Herkunft und die Gegenwart wird von der eigenen Vergangenheit geprägt. Mit Jahrgang 1964 gehört Marck zur „Generation X“, den Baby-Boomern folgend. Douglas Coupland hat den Zeitgeist dieser Generation im Roman „Generation X“ 1991 beschrieben. Im Fokus standen die damaligen Teenager und jungen Erwachsenen. Diese Generation musste sich erstmals ohne Kriegseinwirkung mit weniger Wohlstand und ökonomischer Sicherheit begnügen. Sie hat sich von der Werbeindustrie und dem journalistischen Gewerbe entfernt. Das neu entstandene Wertesystem wird heute als „exhibitionistische Bescheidenheit“ umschrieben. Auch die Beschreibung als „Lost Generation der Neunziger“ ist bezeichnend für das Lebensgefühl der Konsumverweigerung. Die Jungen der Generation X haben als erste erlebt, dass beide Eltern regelmässig berufstätig geworden sind, ohne ausserfamiliäre Betreuungsmöglichkeiten. Deshalb spricht man auch von den „Schlüsselkindern“. Musik und Filme spielen eine grosse Rolle, während das Fernsehangebot begrenzt war. Klar ist, dass die damalige Populärkultur stark von der Ironie geprägt gewesen ist.

Der biografische Hintergrund ist zentral für das Verständnis seiner künstlerischen Arbeit und zeigt sich in seinen Videoskulpturen. Diese sind eine Folge der intensiven Auseinandersetzung mit Filmen und Videos, multimedialen Projekten, Performances, Musik und skulpturalen Objekten. Lange Jahre der Arbeit mit diesen Medien haben Grenzen und Möglichkeiten aufgezeigt. Ausschlaggebend für die Videoskulpturen war seine Unzufriedenheit mit der langweilen Präsentation von Filmen auf Monitoren. Deshalb hat er begonnen, diese umzubauen und ihnen Leben einzuhauchen. Die Arbeiten stehen für die Urängste der Menschen. Ängste sind zuerst notwendige und normale Gemütserregungen, mit einer Schutzfunktion verbunden. Die Furcht ist auf etwas oder ein Objekt gerichtet, die Angst ist gegenstandslos. Die Abgrenzung zu krankhaften Ängsten ist wichtig. Die Unangemessenheit der Angstreaktion gegenüber den Bedrohungsquellen, die Ausprägung von Symptomen, die Unfähigkeit Angstzustände selbst zu kontrollieren und das plötzliche Auftreten von körperlichen Symptomen sind Merkmale für krankhafte Ängste. Der Künstler ist selbst von klaustrophobischen Ängsten betroffen, die auf Erlebnisse in der Kindheit zurückzuführen sind. Die Angst vor dem Eingeschlossen-Sein spiegelt sich bei den Darstellungen der Frauen, die in seiner Kunst eine zentrale Rolle spielen.

Marck greift für unsere Gesellschaft weit verbreitete Krankheitsbilder auf, ohne zu moralisieren. Der Künstler stellt sich dem Ausdruck der grundsätzlichen, menschlichen Befindlichkeit, die wir seit der Geburt durchs Leben tragen. Die Angst zu scheitern, eingesperrt zu sein oder gar sterben zu müssen, sind Fragestellungen denen sich Marck in künstlerischer Art stellt. Die Kraft der Filme, in Kombination mit Materialien führen zu den erwähnten, charakteristischen Videoskulpturen. Marcks Arbeiten setzen sich mit den Menschen und ihren Gefühlswelten auseinander. Die Akteure im Werk sind immer Frauen, die in den Video-Installationen in engen Räumen eingesperrt sind. Sie fungieren als Symbol für die begrenzten gesellschaftlichen Handlungsräume. Die soziale Rolle der Frau ist in der Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Sie nutzen die Einengung zur Reflexion in der Hoffnung, dass die Grenzen und physischen Beschränkungen sich auflösen mögen. Marck macht seine Kunst nicht zum Sprachrohr für Frauenthemen. Er wählt die Frau, häufig seine eigene, als Protagonistin für seine gesellschaftlichen Beobachtungen. Die Arbeiten werfen Fragen auf und regen zu Überlegungen an.

Wie ein roter Faden sind in den Werken Prinzipien erkennbar, die sich wiederholen. Die Arbeit erfolgt in zwei Formen bewegter Kunst; Bewegung und Kinetik. Mit dem bewegten Bild der Filme und mittels mechanischer Dynamik in der Tradition kinetischer Kunst. Beide Bewegungsarten werden zu einer Form von Bewegung zusammengeführt. Die Frauen sind entpersonalisiert, auf die soziale Rolle in der Gesellschaft bezogen. Sie sind als Symbol der Weiblichkeit zu verstehen und entsprechen einem Archetypus, einer Form aus der Welt der Mythologien. Für die Interpretation der dargestellten Figuren gibt es unterschiedliche Lesarten. Das Verfahren und die Technik machen die Arbeiten unverwechselbar. Die Pixelebene wird sichtbar in die Skulptur eingebaut und die Beleuchtungsebene wird dahinter mit Abstand adjustiert. Vor allem bei der Titelgebung dringt Humor durch, indem verschiedene Ebenen gestaltet sind, die nicht offensichtliche Verbindungen auslösen, überraschend sind und beim Betrachter ein Lächeln auslösen. Wasser bildet die Lebensgrundlage unserer Existenz. Das Gefangen-Sein seiner Frauenfiguren wird mit Wasser verbunden und einer ästhetischen Sichtweise zugeführt. Das Handwerk ist zentral und steht im Gegensatz zur Kunstausrichtung, die kein handwerkliches Können mehr voraussetzt, sondern lediglich auf der Ebene der Konzepte funktioniert. Hier spiegelt sich die in der Biografie erworbene Fähigkeit, Dinge zu gestalten. Religiös-kulturelle Anmutungen ergeben sich bei den Frauenfiguren. In der Maria-Serie bricht eine junge, nackte Frau aus dem Schatten der unbefleckten Maria und manifestiert so ihre Körperlichkeit und Sexualität. Die Arbeiten erzählen keine Geschichten. Was die Akteurinnen tun, sind symbolische Verrichtungen. Den Arbeiten wird das Irreale, Traumhafte und Magische verliehen.

Eine typische Arbeit ist die „Frauenkiste“, die aus dem eigenen klaustrophobischen Gefühl des Eingesperrt-Seins entstanden ist. Die Arbeit „Türkisches Bad“ hat Marck bekannt gemacht. Nach einer Einladung in die Türkei hat er eine Wanne gebaut, in der sich Sandra, seine Frau, dreht und wendet. Die Frau fühlt sich dabei wohl, ist aber gefangen. Die Frau wird nie aufstehen und ihre Lebenswelt verlassen. Interessanterweise meinen viele Betrachter, die Arbeiten seien Selbstportraits und die dargestellte Frau sei die Künstlerin. An der Corona-Ausstellung werden die Werke „made-in-for-china“ und „humanclock“ zu sehen sein.

Der Künstler interessiert sich auch um die kommerziellen Aspekte der Kunst, indem er sich auf Andy Warhol beruft, der den Kommerz in die Kunst eingeführt hat. Marck: „Ich habe das Glück, dass sich genügend Sammler für meine Arbeiten interessieren, so dass die Preise über Jahre gestiegen sind. Der Kunstmarkt ist ab Preisen von 100'000 Dollars unabhängig von Konjunktureinbrüchen. Verkäufe erlauben es mir, sich vermehrt grossen, musealen Arbeiten zu widmen."

Autor: Eduard Hauser, Kulturblogger

Autor

Kulturblogger Glarus

Kontakt

Hauser Eduard
Blogger
Biäschenstrasse 10
8872 Weesen
hauser.eduard@gmail.com
079 436 45 66

Kategorie

  • Kunst / Design

Publiziert am

21.09.2020

Webcode

glarneragenda.ch/b96V7w