Katrin Hotz, Ausstellungsaufbau, Centre Pasquart, Biel 2016/17
Katrin Hotz, Ausstellungsaufbau, Centre Pasquart, Biel 2016/17
Atelier "Werkhof"
Atelier "Werkhof"
Ausstellungsansicht: Kaleidoskop, Pasquart, Biel, 4.7. bis 6.9.2020
Ausstellungsansicht: Kaleidoskop, Pasquart, Biel, 4.7. bis 6.9.2020
Ausstellungsansicht: enough XIX, Acryl auf Papier, Biel 2018
Ausstellungsansicht: enough XIX, Acryl auf Papier, Biel 2018
Ausstellungsansicht: "construction sensibles", Kunstverein Konstanz, 2017
Ausstellungsansicht: "construction sensibles", Kunstverein Konstanz, 2017
Ausstellungsansicht, Detail: Vebikus Kunsthalle, Schaffhausen, 2020
Ausstellungsansicht, Detail: Vebikus Kunsthalle, Schaffhausen, 2020

Kultur

Künstlerportrait Katrin Hotz

Die Künstlerin Katrin Hotz, mit Glarner Wurzeln, stellt ihre Arbeit vor. Katrin Hotz (*1976) hat die Wurzeln im Kanton Glarus. Heute lebt und arbeitet sie in Nidau, Bern. In der Gegenwartsszene der Kunst ist Katrin gut vernetzt. Sie kann ihre Arbeiten regelmässig in anerkannten Institutionen zeigen.

Ihre Arbeiten können zwei Grundausrichtungen zugeordnet werden; die Zyklen „tache“ und „enough“ stehen als Bezeichnung dafür.  Die Arbeiten von Katrin müssen als langfristiger Horizont verstanden werden. Werkgruppen und Serien mit Einzelwerken wechseln sich gegenseitig ab und erleichtern die Einordnung in das Gesamtwerk. In der heute sichtbaren Arbeit wird eine Entwicklung über die letzten 7 Jahre erkennbar. Die Redewendung „im Gehirn ist harzig die Erinnerung“ kann als Teil einer Zeichnungsserie zwischen 2008 und 2010 bezeichnet werden, welche beim Fokuspreis im Kunsthaus Glarus gezeigt worden ist.  Erinnerungen richten sich immer in die Vergangenheit und beeinflussen die aktuelle Arbeit. Unser „drei Pfund Universum“ im Kopf hat im Verlauf der Evolution Informationsverarbeitungsprozesse entwickelt, die einerseits eine Wahrnehmungsüberflutung verhindern können, andererseits aber auch ein Universum von Episoden schaffen, die alle Erinnerungen abspeichern und grösstenteils auch wieder zugänglich machen. Die drei Speichervorgänge von Informationen sind bekannt unter den Bezeichnungen „Ultrakurzeit-, Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis“. Das Ultrakurzzeitgedächtnis ist eine Zensurstelle, die es möglich macht, dass nicht alle Informationen im Hirn abgelegt werden. Wäre dies nicht der Fall, würde unsere Wahrnehmung zusammenbrechen. Informationen, die in den Kurzeitspeicher gelangen sammeln Eindrücke, Wörter, Bilder, Gerüche, Töne  oder Zahlen, die wieder abgerufen werden können. Es handelt sich um das ganze Repertoir an sinnlichen Wahrnehmungen.  Alle Informationen, die ins Langzeitgedächtnis vordringen sind als Episoden und Bilder abgespeichert und bilden einen unendlichen Fundus an Erinnerungen, die vorhanden aber nicht immer direkt abrufbar sind. Es ist also möglich, dass die episodischen Inhalte verblassen, aber zu anderen Zeitpunkten wieder hervortreten können.

„Tache“
Bei Katrin geht es um eine künstlerische Sprache. Sie vollzieht die Erfahrungen mit Zeichnungen und gibt diesen eine sinnhafte Bedeutung. Fleckenartige Strukturen oder Flächen erscheinen so vor dem geistigen Auge und auf dem Medium Papier. Ab 2014 entstanden Arbeiten zu den „Flecken“ oder „tache“. Sie machen den Versuch die Strukturen der Malerei in Objekte zu übertragen. Farben werden auf dünnes Papier aufgetragen und auf der Fläche verteilt. Nach einem langen Trocknungsprozess werden Farbverbindungen, Risse und unerwartete Strukturen auf den Papieren sichtbar. Es handelt sich um Vorgänge, die dem Zufall überlassen sind, nicht dem Kalkül unterworfen. Verwandtschaften mit dem bekannten „Rohrschach-Test“ ergeben sich. Dieser, in der Psychotherapie eingesetzte, auf gedankliche Verbindungen und Assoziationen bauende Test, arbeitet mit Bildern und Klecksen, die spiegelbildlich interpretiert werden. Auch hier spielen die Denkprozesse über Assoziationen eine zentrale Rolle. Interessant ist zu beobachten, dass viele Künstler mit dem „Rohrschach-Test“ arbeiten. Katrin entwickelt mit diesem Vorgehen eine eigene Bildersprache. Dabei tauchen Motive aus dem Langzeitspeicher auf, die oft über lange Zeiträume brach liegen .

„Enough“
Diese Werkgruppe ist ab 2014 entstanden. Es handelt sich um eine Weiterentwicklung von „tache“, parallel zu „enough“. Die Arbeiten sind direkt mit der Wand verbunden, mit dem überzeugenden Ansatz Farbe oder Malerei in den Raum zu transferieren. Katrin bemalt Papierbahnen, die teilweise gefaltet und geknittert werden. Die Farben durchdringen die einzelnen Gestaltungsebenen. So entsteht eine Verbindung der Werkstoffe, die durch Auseinanderreissen partiell wieder aufgehoben werden, um durch neue Faltungen und Verklebungen variiert zu werden. Es ist gut vorstellbar, dass die Arbeiten in den Raum ausgeweitet werden könnten. Katrins Arbeiten können die Betrachter*innen irritieren und gleichzeitig zum Nachdenken anregen. Ist diese Art Kunst Malerei, Objekt, Zeichnung oder Architektur? Ein Risiko ist damit verbunden, weil Unsicherheit ausgelöst wird. Doch gerade die Unsicherheit, wie wir sie auch jetzt kennen, macht das Leben interessanter, in dem neue Perspektiven ausgelöst und bisherige Sehgewohnheiten in Frage gestellt werden.  Katrin verlässt mit ihren spontanen Arbeiten Grenzen. Sie selber drückt sich so aus, dass sie den „Rahmen verlassen“ will. Bei schöpferischen Arbeiten ist diese Haltung häufig zu beobachten. Die Experimentierfreude ist zentral. Diese Ausrichtung deutet darauf hin, dass das Prinzip „Versuch und Irrtum“ wichtig ist. Diese Haltung braucht Mut, weil sich die Künstlerin vom Irrtum nicht irritieren lässt. Die Konzentration auf kurze, zeitliche Momente ist wichtig. Schliesslich lässt sich Katrin vom Überdimensionalen leiten, was auf das Sprengen von Grenzen hindeutet. „Wildes Denken und wildes Arbeiten“ kann zusammengefasst das Grundmotiv der künstlerischen Auseinandersetzung sein.

Autor

Kulturblogger Glarus

Kategorie

  • Kunst / Design

Publiziert am

09.07.2020

Webcode

glarneragenda.ch/QH2FCM