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Kirche Matt - eine edle Feier für eine würdige Jubilarin
Die Kirche Matt hat am ersten Septemberwochenende ihren 750. Geburtstag feiern dürfen. Sie ist die älteste Kirche im Glarnerland und soll bereits seit dem Jahre 1497 existieren. Im zweistündigen Festgottesdienst und darüber hinaus wurde die Jubilarin aufs Schönste gewürdigt.
Kurz vor acht am Sonntagmorgen schlendere ich entlang der steinernen Mauern der Jubilarin. Sie ist „verpackt“ mit guten Wünschen – Stoffbilder hängen rund um die Kirche. Auf dem Rasen stehen Miniaturen der Kirche Matt, von Schulkindern entworfen und virtuos gebaut. Die Kirchentüre ist auf beiden Seiten mit Sonnenblumen geschmückt. Und als ahnten die Schwalben, dass heute ein besonderer Tag ist, schiessen sie übermütig zwitschernd durch die Lüfte.
Vom Kirchturm ertönt ein Jagdhornruf, die ersten Gäste tun sich gütlich bei Kaffee, Brot und Zopf, heben die Köpfe. Die Kleinsten sind bereits im Pfarrhaus, sie werden von der Jugi Matt betreut. Die Kirche füllt sich rasch, schon sind die Bänke bis zum letzten Platz besetzt.
Kirche, Krieg, Leid – und Beistand
Der Präsident der Landeskirche, Pfarrer Sebastian Doll, Gemeindepräsident Hans Rudolf Forrer, Ständerat Mathias Zopfi, Kirchenpräsidentin Martha Näf und Pfarrer Beat Wüthrich halten ihre Reden respektive Predigt. Darin geht es um mehr als um die Geschichte der Kirche. Thematisiert werden auch die Konflikte in Russland und der Ukraine, aber auch anderen Kriegsländern, und die Folgen: Armut und Hilflosigkeit. Und, sehr viel näher und aktuell, binden sie die Bevölkerung von Schwanden in ihre Gedanken ein – Menschen, die Haus, Tiere, Hab und Gut beim Erdrutsch verloren und jetzt eine Welle der Hilfsbereitschaft und Solidarität erfahren. Die Worte berühren.
Ein erstes Lied des Chors 1666 ertönt durchs Kirchenschiff. Das Jodelchörli Chlytal verzaubert die Anwesenden mit lauten, mächtigen, leisen und feinen Tönen, vorgetragen mit Gefühl. Die Töne kommen an – auch ich lasse mich mitreissen. Der musikalische Geburtstagsstrauss geht weiter und entzückt das Publikum: Die Harmoniemusik Engi, die Dorfmusik Matt, die Alphorngruppe Chlytal und das Jodelduo Barbara und Theres, begleitet von Corina und Beat, bringen ihr Ständchen dar. Zwischendurch erfüllen die Orgeltöne das Kirchenschiff – für diesen Genuss ist Marlise Stäheli verantwortlich. Seit 41 Jahren, so erzählt sie es mir später, spielt sie das Instrument.
Zwei Eigenkompositionen
An diesem besonderen Sonntag sind selbst Alphornklänge von der Empore zu vernehmen. Markus Näf hat das Stück „Matter Choral“ eigens für das Jubiläum komponiert, er spielt es im Duett mit Brigitte Baumgartner. Später singt die Festgemeinde „Die Kirche im Tal“– von Christoph Kobelt ebenfalls exklusiv für den Festtakt komponiert und getextet. Beide Eigenkompositionen berühren meine – und vermutlich nicht nur meine – Seele. „Was ist Kunst?“ Plötzlich schiesst mir diese Frage durch den Kopf. Und kurz darauf die Antwort: „Kunst ist, was die Seele berührt!“ Ja, wahrlich, es sind heute viele grosse Künstlerinnen und Künstler anwesend und bereichern diesen Festtakt, schmücken die Messe mit Melodien, Worten und Gesang.
Nach demSchlussbouquet, einem grossen, musikalischen Feuerwerk, wird es in der Kirche wieder still. Die Festgesellschaft begibt sich zum gegenüberliegenden Platze, wo einsatzfreudige Vereinsmitglieder Grillwürste, Pommes und Getränke offerierten. Bald wird fröhlich zugeprostet, gelacht und geplaudert an den Stehtischen. In der Mehrzweckhalle sind verwöhnen zahlreiche Glarner Vereine und das Team von „Sirana Catering“die Gäste kulinarisch , während von draussen immer wieder Musik erklingt – Alphornklänge inklusive. Die Kleinsten vergnügen sich derweil bei den Spielen des Jodelchörlis Chlytal.
Was für ein einzigartiges Fest, dieser Geburtstag der 750-jährigen Jubilarin. Edel, würdig – und schlicht grossartig. Eine Feier, die in die Glarner Geschichte eingehen dürfte, und für unzählige Gäste, ob Gross oder Klein, unvergessen bleiben dürfte.
Text und Fotos: Susanne von Dach
Autor
Kulturblogger Glarus
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