Markus Hauser sax & Loris Peloso g
Markus Hauser sax & Loris Peloso g
Kulturpreisträger Markus Hauser
Kulturpreisträger Markus Hauser

Glarus

Ganz oder gar nicht?

Am 29. April verlieh die Gemeinde Glarus Nord die Kulturpreise 2022 – den Anerkennungspreis und den Förderpreis. Nach Ende des offiziellen Teils packte Kulturblogger Søren Ehlers die Gelegenheit, mit Markus Hauser und seinem Umfeld zu sprechen.

Namedropping
Markus Hauser hatte an dem Abend den Anerkennungspreis für sein Lebenswerk erhalten (siehe den Bericht im FRIDOLIN: "Mehr als 'trööt' und 'surr'!". Der Näfelser Junge begann mit 15 Jahren, intensiv Saxofon zu spielen. Sein Stiefvater, Nick Todt, hielt die Laudatio. Darin schildert er das Ausmass des Übungswillens, das Markus an den Tag legte. Diesem Willen ist es zu verdanken, dass er bereits mit 22 Jahren das Berklee College of Music in Boston abschloss (in zwei Dritteln der üblichen Studienzeit). Wie viele musikalische Weggefährten seinen Weg seither begleiten, ist fast unüberschaubar. So war denn auch des – durchaus mit Dankbarkeit vorgebrachten – Namedroppings kein Ende. So war Markus Hauser zu Gast auf Miles Davis’ Rooftop-Barbecue-Party in Manhattan und sprach mit dem Meister selbst über seine Karrierepläne in der Musik. Einer der wichtigsten Figuren für Markus Hauser ist sicherlich Kenny Garrett, einer der Saxofon-«Götter» dieses Planeten, bei dem er Unterricht nahm.

Getrieben
Beim Gespräch nach der Preisverleihung stellte sich bei mir nach kurzer Zeit der Eindruck ein, einen Getriebenen vor mir zu haben. So erzählt Markus Hauser, wie er jeweils 10 Stunden am Stück übt. Die Thermoskanne mit Tee und das Sandwich liegen griffbereit, sodass er nur minimste Unterbrechungen zur Nahrungsaufnahme in Kauf nehmen muss. Markus Hauser zuzuhören, löst bei mir gemischte Gefühle aus. Einerseits steht die Bewunderung für die bedingungslose Hingabe an seinen Beruf. Er hat sich sein Können und seinen Erfolg er-arbeitet. Andererseits ist da auch eine unkontrollierte Seite, das Gar-nicht-anders-Können. «Wenn ich nicht schlafen kann, gehe ich halt morgens um 3 Uhr Holz hacken oder übe bis um 6 Uhr.», so Hauser.

Corona
Diese Rastlosigkeit kollidierte in der Corona-Zeit hart und brutal mit den langen Perioden ohne Auftritte und ohne Studioproduktionen. So war es nicht verwunderlich, dass der Vollblut-Musiker eine Krise durchmachte. «Ich konnte einfach nicht in der Küche herumsitzen und warten, bis die Lasagne im Ofen fertig ist.» beschreibt er seine Gefühlslage. Es gelang ihm, sich auf eine längere Auszeit im Obergoms einzulassen. Bei Lesen, Komponieren und Holzhacken fand er seinen Umgang mit der neuen Situation.

Standing Ovation
Im Rahmen der Preisverleihung spielte Markus Hauser zusammen mit einem seiner vielen Musikerkollegen, dem Gitarristen Loris Peloso, drei Stücke. Es war ein Genuss, den beiden zuzuhören und ihre Freude am Spielen zu sehen. Nach dem zweiten Stück, einer schwungvollen Version von «Summertime» (und einer Standing Ovation), wurde der Spass, den Hauser auf der Bühne hatte offensichtlich. Er forderte Peloso auf, «irgendetwas» zu spielen, er werde dann einsteigen. Nach ein paar Peloso-Akkorden entstand ein breites Grinsen auf Hausers Gesicht und der Groove war nicht mehr aufzuhalten.

Søren Ehlers

Autor

Kulturblogger Glarus

Kategorie

  • Glarus

Publiziert am

29.04.2022

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