Susanne Hauser: Bildung beginnt im Kopf
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Susanne Hauser: Generationenkonflikt
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Nationale / internationale News

Bildung, Wirtschaft und Kultur

Darstellung der Zusammenhänge von Bildung, Wirtschaft und Kultur mit konkreten Daten. Die Herausforderungen für die Zukunft werden dargestellt.

Der Begriff “Bildung” kann weit gefasst werden. Aus meiner Sicht geht es um das Verständnis für Zusammenhänge in unserer Welt. Wissen und Wirklichkeit sollen in Übereinstimmung gebracht werden. Über das Nachdenken zur eigenen Person geschehen diese bewusstseinsbildenden Prozesse.  Bildung kann als Allgemeinbildung verstanden werden. Die “Aus- und Weiterbildung”  hat mit Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Bewältigung des Alltags zu tun. Die Berufsausbildung schliesst hier an und ist in unserer Gesellschaft ein zentraler Wert. Bildung ist die wichtigste strategische Investition für eine nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft.

Die “Kultur” einer Gesellschaft zeigt alles vom Menschen Geschaffene auf und grenzt sich von der Natur ab.  Es gibt einen engen Zusammenhalt zwischen Bildung und Kultur. Die folgenden Ausführungen zeigen kulturelle Muster in der Bildungslandschaft unserer Gesellschaft auf und nehmen Bezug auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.


Die Bildungschancen in der Schweiz


Die Bildungschancen sind unterschiedliche verteilt. Sichtbar wird dies bei den sehr unterschiedlichen Maturitätsquoten im Land. Sie schwanken zwischen den Kantonen zwischen 10% und 40%. Es gibt ein starkes Gefälle zwischen der West- und Ostschweiz. Der Kanton Glarus gehört dabei zu den tiefen Maturitätsquoten.  Je höher die Quoten, desto höher sind die Studienabbrüche. Trotzdem gibt es bei den Eltern starke Anstrengungen, dass ihre Kinder an die Universität gehen können. Ohne gezielte private Förderung sind die Prüfungen zur Aufnahme ins Gymnasium kaum zu schaffen. International steht die Schweiz bei den Aufstiegschancen 2020 auf Rang sieben – WEF-Studie in 82 Staaten -  Es spielt kaum eine Rolle, dass die jungen Absolventen von Universitäten weniger Einkommen erzielen als Lehrabsolventen mit funktionellem Aufstieg, wozu die Weiterbildung wesentlich beiträgt. Die duale Berufsbildung ist sehr gut ausgebaut, transparent und durchlässig. Sie hat international Vorbildwirkung und verhindert nach wie vor die “Verakademisierung” der Gesellschaft. Das “tertiäre Ausbildungsniveau” liegt in der Schweiz bei rund 40%; zusammengesetzt aus rund 20% Maturitäts-, 10% Berufsmaturitäts-Absolventen   und 10% mit höherer Fachausbildung. Es entstehen immer mehr “Bullshit-Jobs”, die sich auf Studien verfassen, Evaluierungs- und Qualitätssicherungsprozesse, Standardisierungen  etc. konzentrieren. Die Absolventen der Universitäten und Hochschulen findet man zu häufig in Sozial- und Geisteswissenschaften. Das Verhältnis zu den technischen Wissenschaften liegt bei 2 zu 1. Die für die Innovation und Wettbewerbsorientierung des Landes wichtigen MINT-Fächer - Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technologie – sind untervertreten und die Frauen sind lediglich mit 4,16% Anteil dabei; ein grosses, nicht genutztes Potenzial. Die Mädchen sind weniger kompetitiv als die Boys, obwohl sie in der Schule und bei den Lehrabschlüssen bessere Leistungen zeigen. Die neuste Pisa-Studie zeigt, dass die Schüler*innen nach dem 9. Schuljahr immer mehr zum Mittelmass werden, ausgenommen bei der Mathematik. Zu denken gibt allerdings, dass Lesen, verbunden mit dem Textverständnis, schwach ausgeprägt ist.

Für die Ausgestaltung der Bildungskultur gibt es viel Nachholbedarf. Die sozialen Rollen der Frauen und Männer müssen aus dem Korsett der Gotthelf`schen Zeiten gelöst werden. Die Firmen müssen für gleiche Löhne bei Frauen und Männern bei gleichen Berufen sorgen. Die Bildungspolitik muss endlich bei der Sozialpolitik ankommen und für Frauen bei der Berufstätigkeit keine unüberwindbaren Hürden aufbauen. Es ist leider immer noch so, dass bei der Hausarbeit in Familien die Lasten im Verhältnis von 70% zu 30% zu Lasten der Frauen verteilt sind. Der Föderalismus ist beim Bildungssystem zu hinterfragen; es kann nicht sein, dass zu einer eidgenössischen Maturität die Ausbildungsstunden so stark divergieren, die Maturitätsquoten so unterschiedlich sind oder sogar der Übertritt in ein Gymnasium ohne Aufnahmeprüfung geschehen kann.

Die Informatik im Bildungssystem muss neuen Anforderungen angepasst werden. Vor allem die Lehrpersonen müssen höhere Anforderungen erfüllen; das hat sich bei der Coronakrise beim Thema Homeschooling deutlich gezeigt. Weitere Schwerpunkte der Bildungskultur sind die frühe Begabtenförderung, Verstärkung der höheren Bildungsabschlüsse, stärkere Gewichtung des informellen Lernens und Förderung des Wissenschafts- und Technikverständnisses.


Wirtschaft und Kultur


Die Wirtschaft beeinflusst die Gesellschaft sehr stark. Aktuell wird dieser Einfluss Corona bedingt stark wahrgenommen. Die Überalterung der Gesellschaft schlägt sich bei den Arbeitsplätzen nieder. Erstmals – ab 2021 – gibt es bei Arbeitnehmer*innen eine Lücke, weil die Babyboomer in Pension gegangen sind und die Jungen ab 20 die entstehende Lücke im Berufsleben nicht ausfüllen können. Der Generationenkonflikt akzentuiert sich, weil immer mehr, wenige Junge die zunehmende Anzahl alter Menschen finanzieren muss und Milliardenbeiträge von den Jungen auf die Alten transferiert werden. Corona hat nicht nur deutlich mehr Arbeitslose ausgelöst - ca. 4,7% - und die Kurzarbeit hat sehr stark zugenommen. Es wird sich zeigen in welcher Form und Stärke die staatlichen Unterstützungen dazu beitragen können, dass die Konjunktur nicht ganz zum Erliegen kommt. Der Ruf nach Ausschüttung von Nationalbankgeldern zur Tilgung der Schulden wird lauter.  Die Kantone, auch der Kanton Glarus, zeigt, dass man mit der Corona-Krise gemeinschaftlich und vernünftig  umgehen kann.  Der Fachkräftemangel spielt nach wie vor eine grosse Rolle, weil beispielsweise nötige Kompetenzen von Arbeitnehmenden nicht abgedeckt werden können; der Beruf der Informatiker ist ein deutliches Beispiel, weil es einerseits relativ viele Arbeitslose gibt, andererseits aber Personen mit Fachkompetenzen gesucht werden, die nicht verfügbar sind.  Es ist auch zu beobachten, dass es weniger offene Stellen gibt und dass die Teilzeitengagements deutlich zunehmen. Vor allem sind einmal mehr die Frauen betroffen und die Männer Teilzeitarbeiter verharren immer noch auf einem Niveau von rund 15%. Homeoffice wird von rund 33% der Arbeitnehmenden geleistet und immer mehr Personen gewöhnen sich langsam daran, dass Homeoffice eine Option für die Zukunft sein könnte. Interessant ist sicher, dass die Arbeitsproduktivität zunimmt und die Kurzabsenzen sich rückläufig entwickeln. Bei den herkömmlichen Arbeitsverhältnissen geht man davon aus, dass 60% der Mitarbeitenden Dienst nach Vorschrift leisten und 20% innerlich gekündigt haben. 0% bis 15% der wöchentlichen Arbeitszeit  wird für Konfliktbearbeitung eingesetzt und die Vorgesetzten verbringen 30% bis 50% der wöchentlichen Arbeitszeit mit Reibungsverlusten, Konflikten und Konfliktfolgen.  Ist Homeoffice vielleicht doch eine Alternative, die sinnvoll umgesetzt auch das Arbeitsklima beeinflussen kann?

Die Kultur in der Arbeitswelt ist gut beraten, wenn diese nicht von Ängsten dominiert wird. Die Vertrauenskultur wird bei neuen Arbeitsmodellen eine grosse Rolle spielen. Damit sind auch die Vorgesetzten gefordert, weil sie die Selbst- statt Fremdkontrolle der Mitarbeitenden fördern müssen. Rund 2/3 der Firmen haben Probleme Talente zu finden und 55% der Firmen können diese nicht halten, soweit eine Untersuchung von Mercuri Urval. Das Talentmanagement kann nur in einem Umfeld gedeihen mit einer Kultur des Vertrauens und mit spürbarer gesellschaftlicher Verantwortung, was sich auch bei der Beliebtheit von Unternehmen zeigt. Ethisch arbeitende Firmen haben grundsätzlich weniger Rekrutierungsprobleme als Firmen, welche Priorität auf die Gewinnmaximierung fokussieren.


Zukunftsoptik


Die Schweiz gehört nach wie vor zu den innovativsten, Wettbewerb stärksten Länder der Welt. Wir sind gut beraten, wenn auf die Bildung grössten Wert gelegt wird. Hier mit der Sparzange ansetzen wäre eine sehr kurzsichtige Optik. Unser einziger Rohstoff ist die Bildung der Bevölkerung. Es ist gleichzeitig der einzige Rohstoff, der sich durch das Teilen vermehren kann.

Das duale Berufsbildungssystem ist ständig weiterzuentwickeln und die Universitäten und Hochschulen müssen dafür sorgen, dass sie im weltweiten Ranking an der Spitze aller Nationen bleiben. Dünkel für den Bildungsstatus einzelner Personen sind zu unterbinden und die Vorteile der Kleinräumigkeit, wo man sich kennt, sind produktiv zu nutzen. Immer mit dem Augenmerk darauf, dass möglichst wenig Vetternwirtschaft um sich greift.  Das Gemeinwohl und die physische und seelische Gesundheit der Menschen ist im Zentrum. Es muss uns interessieren, dass die psychischen Erkrankungen und die Burn-Outs in den letzten Jahren sehr stark zugenommen haben und  die Ausfallzeiten bei der Arbeit und die IV-Versicherungen für Unfälle und Krankheit reduziert werden müssen.

Es gelten die Imperative von I. Kant und H. Jonas: “Verhalte Dich so, dass die Maxime Deines Handelns jederzeit als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung dienen könnte” und: “Handle jederzeit so, dass die Folgen Deines Handelns mit dem Fortbestand authentisch menschlichen Lebens auf Erden verträglich bleiben”. Egoismus und Narzissmus würden verschwinden und die Umwelt wäre im Gleichgewicht



Eduard Hauser

 

 

 

Autor

Kulturblogger Glarus

Kontakt

Hauser Eduard
Blogger
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hauser.eduard@gmail.com
079 436 45 66

Kategorie

  • Kultur

Publiziert am

18.05.2020

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