Martin Stützle
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Fridolin Walcher
Fridolin Walcher
Martin Stützle und Fridolin Walcher Installation
Martin Stützle und Fridolin Walcher Installation
Plakat zur Ausstellung
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Regionale News

Ausstellung Kunsthaus Glarus "Des Gletschers Kern"

Das Kunsthaus Glarus zeigt vom 12.1.20 bis zum 1.3.20 eine Ausstellung zum Klimawandel und Gletscherschwund in der Schweiz und Grönland. Die Glarner Künstler Martin Stützle und Fridolin Walcher zeigen ihre Werke, die bei einem Aufenthalt in Grönland entstanden sind.

Die Glarner Künstler Martin Stützle (*1959) und Fridolin Walcher (*1951) knüpfen an den Forschungen zum Biferten- und  Claridengletscher an. Die beiden Künstler begleiteten im Mai 2018 Schweizer Umweltwissenschafter auf einer Grönlandexpedition zu den arktischen Forschungsstationen der Schweiz, Swiss Camp und East GRIP. Der drei wöchige Aufenthalt in einem grönländischen Inuit-Dorf Kullorsuaq führte zu Fotografien und Radierungen, vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Fakten und sprechen die Sinne an.


 Judith Welter, Direktorin Kunsthaus, zu den Arbeiten der Künstler**: "Walcher zeigt eine Serie von grossformatigen Landschaftsfotografienaus Grönland und dem Glarnerland. Panoramen von endlosen Eisflächen und Eisbergen in der Mitternachtssonne. Sie stehen den abstrakt wirkenden Detailansichten von vom Wind gezeichneten Schneeoberflächen gegenüber. Dem Rückgang der Gletscher haftet trotz der Schönheit etwas Ungeheuerliches an… Stützle legt bei seinen Radierungen und Monotypien den Fokus auf die Ästhetik der Formen. Eine monumentale Anordnung von Monotypien zeigt eine von Rissen durchzogene Eisoberfläche.... Eine neue Installation konzipierten die beiden Künstler gemeinsam für den Seitenlichtsaal. Die  skulpturale Anordnung von Raumkörpern lässt an Eisberge denken… Eingestreut in die nordischen Lebenssituationen sind Portraits von Bewohnern oder Bauern und Fischern. "


 Die Kunst kann das Fenster der seelischen Geheimnisse der aktuellen Zeit sein. Die Naturwissenschaft schafft neue Erkenntnisse und stellt zu jeder Zeit den Stand des Irrtums dar. So gibt es zwischen Kunst und Wissenschaft - der Zusammenhang wird in  der zeitgenössischen Kunst häufig erwähnt - einen schmalen Grat der Verbindung. Die Künstler zeigen diesen schmalen Grat in der Ausstellung, indem sie die Ästhetik der Erscheinungsformen pflegen und über die Schönheit der Darstellungen einen Appell an die Betrachter richten, für das Klima und die Umwelt auch persönlich mehr Sorge zu tragen. Die erzählten Geschichten aus dem Aufenthalt vor Ort lassen die Arbeiten der Künstler lebendig werden.


Die Schweiz beansprucht auf einer Landfläche von rund einem Promille dreimal die Gesamtkapazität der Erde. Gleichzeitig ist die Schweiz Recycling- und Abfallweltmeister. Die Gletscher schmelzen seit Jahren, gleichzeitig ist die Schweiz das Wasserschloss Europas. Die schmelzenden Gletscher in der Schweiz sind  mit  der "Gletscherinitiative" lanciert; Netto-Null Immissionen bis  2050 soll in der Verfassung verankert sein


Zu denken gibt die Wasserpolitik der EU. Statt Förderung des "Blauen Goldes" als Menschenrecht, steht die Privatisierung des Wassers im Zentrum; trotz UNO-Charta von 2010. Wasser wird als Supermarkt gemanagt.  Wasser ist unsere Existenzgrundlage, aber nur ein Viertel der Weltbevölkerung hat Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Wasserbewirtschaftung führt zu Trockenzonen. Gleichzeitig steigt der Meeresspiegel kontinuierlich an. Bedrohte Grossstädte rüsten mit Schutzbauten auf. Das neue Motto lautet "mit dem Meer, statt gegen das Meer". Die Verschmutzung der Ozeane kann zu einem Multiorganversagen führen. Ist der nächste grosse Krieg ein Krieg um das Wasser?


Trotz Solar- und Windtechnologiekompetenz der Schweiz schlummern die erneuerbaren Energieträger ein kümmerliches Dasein. Die Banken sind in der Ölförderung und beim Gas stark investiert, als Markt-Leader in der Vermögensverwaltung.  Die Reformunfähigkeit lässt es zu, dass es kein griffiges CO2-Gesetz gibt.


Das Hauptproblem beim CO2-Ausstoss  ist in der Schweiz  der Verkehr; zu viele zu grosse Autos werden gekauft. Die EU hat einen "Green Deal" abgeschlossen, mit dem Ziel bis 2050 klimaneutral zu sein.  Deutschland nimmt bis Ende 2022 alle Atomkraftwerke vom Netz. Staaten wie China oder Indien planen und bauen in grossem Ausmass neue Atomkraftwerke. Die Schweiz hat den Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen, mit der Abschaltung nimmt man sich gerne viel Zeit.


 


 Das Thema "Umwelt" ist mit Greta zu einer weltweiten Bewegung gewachsen.  Jugendliche engagieren sich mit Protesten weltweit gegen das Nichts-Tun der Entscheidungsträger. Das neue  Schweizer Parlament ist grüner, jünger und weiblicher. Hat dies auf die Reformfreudigkeit bei der Umwelt einen Einfluss? Bei milderen Wintern im Norden mit grossen Naturschätzen können kleinere, florierende Kulturen heranwachsen. Kann man davon ausgehen, dass wegen bestehenden Abkommen die vorhandenen Ressourcen friedlich geteilt werden? In den nordischen Staaten, inklusive Russland und USA und  den Northern Rim Countries, kann von einem Bevölkerungswachstum ausgegangen werden. Es gibt jetzt schon Infrastrukturen, stabile Regierungssysteme, Häfen, Firmen oder Universitäten, die sich bis in den arktischen Norden verteilen und nachhaltige Effekte auslösen können.***


Es ist lobenswert, wenn das Kunsthaus die Thematik "Umwelt und Klima" aufnimmt und der künstlerischen Auseinandersetzung Raum gibt. Erfreulich ist auch, dass Glarner Künstler im Kunsthaus ihre Arbeit zeigen können.  Die Ausstellung bietet mit den gezeigten Arbeiten, dank den erzählten Geschichten, eine lebendige Faszination. Ein Video zur Situation vor Ort hätte die Lebendigkeit und Emotionalität so verstärken können, dass der konventionelle Rahmen gesprengt worden wäre.  Ständerat Mathias Zopfi stellt in seiner Vernissage-Ansprache die Verbindung von Kunst und Wissenschaft her. Beide Disziplinen brauchen einander. Die Wissenschaft arbeitet mit Fakten, die Kunst mit Episoden und Bildern. Zwei unterschiedliche Ausdrucksformen, die das Bewusstsein für die Natur weiterbringen.


 Eduard Hauser


 *   Martin Stützle, Fridolin Walcher; The Glaciers Essence, Scheidegger und Spiess, 2020


 **  Judith Welter; www.kunsthausglarus.ch - Text zur Einladung


*** Laurence C. Smith; Die Welt im Jahr 2050, DVA 2010


 

Autor

Kulturblogger Glarus

Kontakt

Hauser Eduard
Kulturblogger
Biäschenstrasse 10
8872 Weesen
hauser.eduard@gmail.com
079 436 45 66

Kategorie

  • Glarus

Publiziert am

13.01.2020

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glarneragenda.ch/jNQRnC