Ich bin eine Vision
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Sarah Burger - Fernweh 2019
Sarah Burger - Fernweh 2019
Einladung - Plakat
Einladung - Plakat
Katrin Hotz - Foto: Andri Stadler
Katrin Hotz - Foto: Andri Stadler

Regionale News

Ausstellung "Grosse Regionale" mit Glarner Beteiligung

Vom 24.11.2019 bis zum 2.2.2020 findet in Rapperswil die "Grosse Regionale" statt. Die beiden Ausstellungsorte geben eine Übersicht über das aktuelle Kunstschaffen in den Kantonen Appenzell Inner- und Ausserrhoden, St. Gallen, Zürich, Schwyz und Glarus.

Die Jury hat 47 Positionen ausgewählt, rund ein Fünftel aller Bewerbungen. Es sind gleich viele Frauen und Männer vertreten und die Jahrgänge überstreichen die Zeit von 1939 bis 1993. Die künstlerischen Ausdrucksformen oder Medien sind breit angelegt. Vertreten sind Animationsfilm, Video, figurative bis abstrakte Malerei oder Zeichnungen, Installationen und Skulpturen. Die Jury hat beispielsweise folgende Kriterien für die Auswahl angewendet:

  • Eigenständigkeit des künstlerischen Ansatzes
  • Relevanz der Arbeit innerhalb gesellschaftlicher Entwicklungen
Die Frage "Was charakterisiert Kunst?"habe ich mir beim Betrachten der Ausstellung gestellt. Ich denke, dass die Echtheit des künstlerischen Ausdrucks, die schöpferische Kraft oder die Einzigartigkeit der Arbeit Kriterien sein können.

Mit Hintergrund zum Glarnerland sind Katrin Hotz (*1976) und Sahra Burger (*1982) ausgewählt worden. Drei Kunstschaffende haben sich aus dem Glarnerland für die Regionale beworben. Bei den gewählten Künstlerinnen handelt es sich um Glarnerinnen, die da ihre Wurzeln haben, aber in Zürich oder in Nidau wohnen und arbeiten. Die beiden Künstlerinnen haben in der Gegenwartsszene mit ihren Netzwerken Akzeptanz.

Die Jury hat Sarah Burger ausgewählt, weil sie einen zeitgenössischen Umgang mit Fragen des Bildes und Abbildes pflegt, ob in fotografischen Zusammenhängen oder in Form von Abgüssen. Sie interessiert sich für Landschaften als Oberflächen und das Dahinterliegende. Ebenfalls hat die Wahl verschiedener Materialien überzeugt, um zu ihren gesuchten Formen zu kommen um eine forschende und offene Herangehensweise zu pflegen. Sie reduziert ihre Arbeiten immer auf das Wesentliche. Sarah Burger selbst schreibt zu ihren Arbeiten: "Die Serie Fernweh zeigt stark vergrösserte Bildschäden alter Fotografien und Dias, die ich in einem online-Archiv gefunden habe. die Bildschäden sind zeitlicher Zerfall der Materialität der alten Abzüge, Negative und Dias und gelten als Zerstörung des Bildes. In digitalisierter Form aber werden diese Schäden zu einem gleichwertigen Teil des Bildes selbst. Sie haben landschaftlichen Charakter und weisen beim vergrösserten Betrachten Ähnlichkeiten auf mit Bildern aus dem Weltall, Satellitenaufnahmen der Erdoberfläche, Wellen und Wolkenlandschaften".

Katrin Hotz beschreibt ihre Arbeit selber als "wildes Denken und wildes Arbeiten". "Wild" kann bedeuten, dass im Denken der Künstlerin das Chaotische oder Ungeordnete im Zentrum ist. Das ordentliche Denken als Grundmuster wird nicht sichtbar. Der Arbeitsstil ist spontan, aus dem Bauch heraus. Da hat Kontrolle wenig Platz, dafür sind Emotionen im Zentrum. Es ist zu vermuten, dass die Intuition stärker betont ist, als die Verarbeitung von Sinneswahrnehmungen. Die Künstlerin will mit ihrer spontanen Arbeit Grenzen verlassen oder überwinden. Sie selber drückt sich so aus, dass Sie "den Rahmen verlassen will". Bei schöpferischer Arbeit ist diese Haltung häufig zu beobachten. Die Experimentierfreude ist zentral. Diese Ausrichtung deutet darauf hin, dass das Prinzip von "Versuch und Irrtum" wichtig ist. Diese Haltung braucht auch Mut, weil sich die Künstlerin vom Irrtum nicht irritieren lässt. Die Konzentration auf kurze, zeitliche Momente ist zentral. Schliesslich lässt sich die Künstlerin vom Überdimensionalen leiten, was auf das Sprengen von Grenzen hinweist.

Die Jury interessierte sich für Kathrin Hotz’ Umgang mit Papier und Farbe in Kombination mit ihrem ortsspezifischen Ansatz. Die  Künstlerin bemalt verschiedene Papiere einseitig mit je einer glänzenden oder matten Farbe. Die grossen Papierbahnen werden anschliessend zerknittert, verklebt, zerrissen, zerschnitten und zu bunten, fragilen Landschaften zusammengestellt. Die Arbeiten lassen keine  eindeutige Zuschreibung zu.  Sind die Arbeiten Gemälde oder Objekte? Neugierig machte nicht zuletzt der Bezug zur Ausstellungsarchitektur, da die Künstlerin ihre Installationen auf den Raum bezieht und daher stets neue Werke bildet. Im Kunst(Zeug)Haus wurde sie dazu eingeladen, die Treppenabsätze zu bespielen. Die Papierbahnen bilden eine dynamische Landschaft.

Von den übrigen 45 Positionen der Ausstellung einen kurzen, holzschnittartigen Eindruck. Der Eindruck einer gewissen " blutleeren Akademisierung des künstlerischen Schaffens" ist bei mir hängen geblieben. Die Konzentration ist auf Konzepte und Techniken, anstelle der Originalität, gerichtet. Gesellschaftliche Themen werden da und dort aufgegriffen und dargestellt. Die Erklärungen der Kuratorinnen haben zur Deutlichkeit der künstlerischen Absichten wesentlich beigetragen; man sieht, was man weiss. Beispielsweise gibt es Hinweise auf "Mensch und Technik", auf "Bezüge zum Weltall und dessen Erforschung", auf die "Problematik der Flüchtlinge", auf den eigenen "Umgang mit Ängsten", auf die "Zerstörung von Gebäuden" oder auf "die Hektik mit dem Rennen gegen die Zeit". Ein Künstler antwortet auf die Frage "wer bin ich?" mit: "Ich bin eine Vision".

Bei vielen der   gezeigten Werken fehlt mir die Unverwechselbarkeit, die eigene Handschrift und  die vertiefte Auslotung mit direktem Zugang zum Unbewussten. Damit auch die symbolische Kraft des künstlerischen Ausdrucks. Die Kunst könnte das Sprachrohr der seelischen Geheimnisse zu aktuellen Themen unserer Zeit sein. Eine interessante Fragestellung zur aktuellen gesellschaftlichen Entwicklung  wäre aus meiner Sicht: "Zu viel des Guten oder immer noch zu wenig?"

Wer einen aktuellen Überblick zum Kunstschaffen in den Regionen sucht, kommt auf seine "Rechnung".
 
Eduard Hauser

Autor

Kulturblogger Glarus

Kontakt

Hauser Eduard
Kulturblogger
Biäschenstrasse 10
8872 Weesen
hauser.eduard@gmail.com
079 436 45 66

Kategorie

  • Glarus

Publiziert am

25.11.2019

Webcode

glarneragenda.ch/ZyPDN9