Alpinmuseum aussen (M.R.)
Alpinmuseum aussen (M.R.)
Detail Geowand (M.R.)
Detail Geowand (M.R.)
Alpinmuseum Innen (M.R.)
Alpinmuseum Innen (M.R.)
SAC Hütten im Glarnerland
SAC Hütten im Glarnerland
Pioniertaten
Pioniertaten
Hüttentisch mit Wünschen
Hüttentisch mit Wünschen
Initiantin Maya Rhyner
Initiantin Maya Rhyner

Glarus

Alpinmuseum Braunwald – viel Interessantes auf kleinem Raum

Im Oktober 2021 eröffnete in Braunwald GL das Alpinmuseum. Fotografin Maya Rhyner, die zusammen den Geologen Mark Feldmann das Projekt initiierte und bis zur erfolgreichen Umsetzung führte, sagt: «Ich würde es wieder tun!»

Schöne Ideen, was man noch so alles im schönen Glarnerland aufbauen könnte, gibt es wohl viele. Dass daraus tatsächlich auch etwas Schönes etwas wird, dazu gehört allerdings einiges mehr: So geschehen im Fall des neuen Alpinmuseums in Braunwald, das innerhalb eines Jahres seit der Idee zur Realität und im Oktober 2021 eröffnet wurde. Berglerisch-pragmatisch, mit Kreativität, Herzblut und viel Durchhaltevermögen gelang dies den Initiatoren Maya Rhyner und Mark Feldmann. Beide zählen wohl im Lande Fridolins zu den besten ihres Fachs – sie als Fotografin und Publizistin, er als Geologe. Und sie kennen das Gebiet, worüber sie schreiben, genaustens; sie wissen jeweils über das Wichtigste und Aktuelle Bescheid. Das muss wohl auch so sein, damit in der begrenzten Ausstellungsfläche des ehemaligen Ladenlokals nahe der Bergstation der Braunwald die entsprechenden Exponate und Thema Erwähnung finden. Eine Win-Win-Situation ist es, dass die Gäste-Information Braunwald gleich mit im Lokal integriert ist und somit sehr gut zugängliche Öffnungszeiten geboten werden. 

Ich habe für den Besuch bewusst einen Schönwettertag im Sommer ausgesucht, damit ich mich in Ruhe umsehen kann; für die meisten wird das Museum eher willkommenes Schlechtwetterprogramm sein. Die Dame an der Rezeption begrüsst mich freundlich; am Telefon berät sie gerade noch jemanden bezüglich Ausrüstung für die Braunwalder Klettersteige. Als erstes fällt mir die kleine Sonderausstellung ins Auge, die derzeit zum Thema «Alpenblumen und -heilkräuter» gezeigt wird. Obwohl ich schon so lange hier heimisch bin und ich auf unzähligen Wanderungen verschiedene Gewächse gesehen und immer wieder bestimmt habe, merke ich doch, dass ich insgesamt dazu recht wenig weiss. Mit über 80 Blumen-Täfelchen, welche auf der Rückseite spannende Informationen zeigen, könnte man sich lange verweilen. Oder auch einmal einen Workshop mit einer Drogistin besuchen, der hier auch angeboten wird – ebenso wie die regelmässigen Museums-Führungen mit einem Wildhüter.

Dazulernen und staunen: Die Zeit hier verfliegt schnell ob der Fülle (aber nie überfüllt präsentierten) spannender Themen und Objekte. Und immer wieder mischt sich auch Stolz, in so einer tollen und einzigartigen Umgebung leben zu dürfen. Wo etwa viele Pioniertaten stattfanden, die hier auch beschrieben werden: erstes Skirennen der Schweiz in Glarus, Gründung des Curling-Clubs in Braunwald (hinterm Bellevue), die bemerkenswerte Ruchen-Glärnisch-Erstbesteigung durch den jungen Glarner Astrophysiker Fritz Zwicky sowie die Geschichte der SAC-Hütten im Glarnerland (siehe Interview unten), ebenfalls eine Schweizer Pionierleistung. In einem Eck duftet es auch wunderbar nach Holz, hier wurde eine Hüttenstube nachgebaut und man kann Hüttenträume und –wünsche auf Kärtchen schreiben. Der Mensch, der vor mir da war, hat sich offenbar gewünscht, «einen Zwerg zu finden.» Wer weiss, in den Alpen ist nichts unmöglich und vielleicht gibt es auch mal eine Sonderausstellung über die Sagenfiguren der Alpen?? Vorerst nehme ich per angebotenen Kopfhörern akustische Kostproben von echten Berglern, die erzählen: eine Hüttenwartin, ein Bergführer… man fühlt sich fast ein bisschen wie dort oben in anderen Gefilden, dem Himmel nah.

Die beeindruckende Geologie ist ein weiteres grosses Kapitel, sie geht über 300 Millionen Jahr Erd- und natürlich Alpingeschichte. Sehr anschaulich wird gezeigt, das Glarnerland lag mal bei Amerika, dann lag es unter dem Meer, wurde gefaltet (als Alpen), und all das lässt sich bis heute im Gestein nachvollziehen. Auch die Zeichen des Lebens – von den Bärlappgewächsen des Karbon über «Münzsteine» bis zu den Saurierspuren in der Tödiregion. Schwefelquellen, Schiefer, und natürlich die Hauptüberschiebung, welche das Glarnerland zum grossen Player der UNESCO-Welterbe Sardona macht. Der Klimawandel und das brutale Schwinden der Gletscher sind natürlich auch im Glarnerland leider ein Thema, dem die Ausstellung ebenfalls eindrückliche Inputs widmet. Wer diese Landschaft liebt, wird so automatisch darüber nachdenken, was er oder sie für ihren Erhalt tun kann.  

ANHANG: Interview mit Maya Rhyner, Initiantin des Alpinmuseums Braunwald und Präsidentin des gleichnamigen Vereins

Was war deine Motivation für so ein grosses Projekt? Mark Feldmann und ich entwickelten die Idee, dass das Glarnerland ein Alpinmuseum verdient hätte, und dass Braunwald dafür ein guter Platz wäre – der Tödi steht da majestätisch Kulisse – und hier hat ganz vieles begonnen: Die Grünhornhütte ist die erste SAC-Hütte der Schweiz, das Gebiet Tödi-Clariden war das erste Exkursionsgebiet des SAC Schweiz. Bei diesem war die Glarner Sektion SAC Tödi Gründungsmitglied und wir haben den ältesten Bergführerverband der Schweiz.

Wie lange dauerte es von der ersten Idee bis zur Eröffnung? Etwa ein Jahr.

Wie viele Stunden hast du bis dahin für das Projekt gearbeitet? Die habe ich nicht gezählt (lacht). Es war ein Herzensprojekt und da investiert man einfach so viele Stunden, bis es dann fertig ist.

Ist es so geworden, wie du es dir vorgestellt hast? Und würdest du es wieder tun? Ganz klar zweimal Ja!

Was waren die grössten Hürden bis dahin und was die grössten Freuden? Durch Corona hat es teils  Verzögerungen gegeben, weil man sich nicht treffen konnte, gleichzeitig hat dies uns aber ermöglicht, dass Standbau HUG aus Näfels Zeit hatte, unser Projekt zu verwirklichen. Sie haben das Museum visualisiert und anschliessend genauso ausgestaltet. Solche Kombinationen sind einfach eine grosse Freude. Auch, dass wir den Vermieter der Räume immer hinter uns wussten, dass auch er Geduld hatte und nicht zuletzt, dass die Gemeinde Glarus Süd unser Projekt positiv aufgenommen hatte. Weiters die Unterstützung aus dem Tourismusfonds des Kantons; von VISIT Glarnerland mit der Gäste-Info Braunwald, die ebenfalls immer hinter uns standen und ein wichtiger Pfeiler sind, in dem die Gäste-Info jetzt im Alpinmuseum Braunwald angesiedelt ist und auch unsere Gäste begrüsst. Und – ganz klar – unsere Goldsponsoren, Spender und Gönner. Ohne sie hätten wir nichts umsetzen können. Es hat ganz viele, sehr viele schöne Momente gegeben im Ganzen.

Was wünscht du dem Alpinmuseum und seinen Besucher:innen für die Zukunft? Dass wir weiterhin auf unsere Gönnerschaft zählen können und über diese Jahresbeiträge das Museum weiter gestalten können. Gerne nehmen wir noch Jahresgönnerschaften oder auch Spenden entgegen. Sodass wir die Glarner Gesteins- und Alpingeschichte immer am Leben erhalten und weitererzählen können, und wir auch auf unsere Museumsbetreuer weiter zählen dürfen. Ganz herzlichen Dank allen dafür.

 (Infos zur Gönnerschaft, den Führungen und Öffnungszeiten im Alpinmuseum Braunwald auf www.alpinmuseum-gl.ch[/emtag]]http://www.alpinmuseum-gl.ch/" rel="nofollow" target="_blank">[emtag Herzlichen Dank allen Unterstützern und den Goldsponsoren: GLKB Stiftung für ein starkes Glarnerland / Linthpark Glarus Süd / Alpinschule Glarnerland / Tödisport 3614)

Text und Interview: Swantje Kammerecker. Bilder zvg (u.a. Maya Rhyner) und eigene.

 

 

 

 

Autor

Kulturblogger Glarus

Kategorie

  • Glarus

Publiziert am

11.07.2022

Webcode

www.glarneragenda.ch/wsdDUW