Cover Buch "Massenbewegungen"
Cover Buch "Massenbewegungen"
Bild Patrick Rohner
Bild Patrick Rohner
Dokumentierung der Arbeiten
Dokumentierung der Arbeiten
Bild Patrick Rohner
Bild Patrick Rohner
Patrick Rohner Felswand
Patrick Rohner Felswand
Partrick Rohner - Felsen
Partrick Rohner - Felsen

Dies & Das

Buchvernissage: "Massenbewegungen" von Patrick Rohner

Zum Werk von Patrick Rohner erscheint die Monografie „Massenbewegungen“. Diese gibt einen Überblick über alle wichtigen Werkgruppen seit 2004. Die Buchvernissage findet am 25. September um 13.30 Uhr im Berghotel Alpenblick in Tenna statt.

Nach dem Besuch der Kunstgewerbeschule in Luzern studiert Patrick Rohner in den 90iger Jahren in Düsseldorf, der damaligen Hochburg der modernen Kunst. Er ist Meisterschüler bei Jan Dibbets, der als Holländer, mit anderen Erfahrungen als jenen bei Patrick vorhandenen, seinen Einfluss auf den Studierenden nimmt. Die neue geistige Orientierung führt zur Verstärkung der Klarheit im Denken. So ist das Interesse an der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Natur entstanden. Aber auch andere, bekannte Künstler helfen die künstlerische Position zu finden. Erwähnt seien lediglich Richard Long, ein Pionier der Landart oder Beuys, der versucht hat die Kunst in der Gesellschaft und Politik zu verankern. Patrick Rohner wäre nach Abschluss des Studiums gerne in Düsseldorf geblieben. Eine Reise zu neuen Lebensstandorten hat, auch aus existenziellen Gründen, dazu geführt, dass er sich mit seiner Familie in Rüti im Kanton Glarus niedergelassen hat, wo er seit 1991 in einem einzigartig gestalteten Holzhaus lebt.

Die Enge des Tals prägt seine künstlerische Arbeit und richtet sein Augenmerk auf das Objekt, nicht auf die Horizonte. Die Kraft und Mythologie der Bergwelt wird mit der Kraft des Meeres in Beziehung gesetzt. Man muss über die Gipfel hinausdenken, um zu neuen Horizonten vorzustossen. Sein soziales Engagement zeigt sich als Lehrperson an einer Sonderschule, wo er sich für Jugendliche mit schwierigem Hintergrund engagiert.

Patrick Rohner zeigt sich von der selbstkritischen Seite, statt eines übersteigerten Selbstvertrauens, das zur Arroganz führen kann. Er benotet regelmässig seine Arbeiten nach wissenschaftlichen Kriterien in einer Selbsteinschätzung. Die Kriterien zur Beurteilung sind im Dialog mit Wissenschaftlern entstanden, die sich im Feld der Ökologie als Forscher betätigen.  Die kritische Haltung gegenüber dem Kunstbetrieb ist spürbar, was ihm einen guten Zugang zur Realität verschafft. Heute führt Patrick Rohner  ein zurückgezogenes Leben. Dies verschafft ihm die Möglichkeit sich mit Dokumentationen aus der Welt der wissenschaftlichen Forschung auseinanderzusetzen. Die Natur im Glarnerland ist wichtig, aber auch das pulsierende Leben der Gross-Stadt, wohin es Patrick regelmässig hinzieht.

Zur Kunst von Patrick Rohner: Urlandschaften und Landschaften, von menschlicher Hand geschaffen, interessieren den Künstler, ohne Landschaftsmaler zu sein. Er generiert mit seinen Arbeiten Wirklichkeiten und die Sicht auf das Ganze. Es geht um die Auseinandersetzung mit der Natur und das Erleben der Landschaft, sei es grabend, wandernd, fotografierend, suchend oder forschend. Es geht um physikalische und chemische Prozesse, die sich in Bildern manifestieren.  Wasser und Wind sind die eindrücklichsten Faktoren, die die Landschaft, wie wir sie heute kennen, beeinflussen. Das Thema „Wasser“ ist in der Kunst seit je wichtig. Die Wasserzeichnungen entstehen im Atelier parallel zu den regelmässig entstehenden Ölgemälden. Mit dem Einbau der Wasserarbeiten hat Patrick 2007 begonnen. Vorher waren es einzelne Versuche mit der Priorisierung des prozesshaften Aspekts. Der Künstler forscht, experimentiert und beobachtet die Natur akribisch. Die Wasserbilder entstehen in laborähnlichen Situationen im Atelier. Der Bildträger wird zu einer Art Gefäss gefaltet. Er wird mit Aquarellfarbe gefüllt, wobei Wasser und Papier aufeinander reagieren. Das Papier dehnt sich aus, zieht sich beim Trocknungsprozess wieder zusammen und lässt faszinierende Strukturen entstehen, die an reliefartige Luftaufnahmen erinnern. So wird die Kunst zu Landschaft. Die Natur führt den Pinsel. Die Steinzeichnungen sind im Sommer 2020 entstanden. Weisse Büttenpapiere sind  in einer Schluchtlandschaft ausgelegt, mit einem grossen Stein beschwert und gut fünf Monate der Witterung ausgesetzt. Im November sind die Blätter frei gelegt  und die natürliche Prozessarbeit  beendet worden.  Eingeschwemmte Sedimente, vermischt mit Material aus dem umliegenden Wald-, Fels- und Flussboden haben ihre Spuren hinterlassen. Das nennt man „Land Art“, auch hier hat die Natur den Pinsel geführt.

In der Fotografie ist es eine Gratwanderung zwischen Zerstörung und Bearbeitung. Der Prozess der Entstehung eines Werks ist massgeblich. Das dokumentarische, genaue Arbeiten wird mit der Intuition ergänzt. Genauigkeit bis zur pingeligen Dokumentation steht dem schöpferischen Prozess gegenüber. Die Reliefarbeiten sind aus der Malerei entstanden und sind immer noch wichtig. Neue Formen und neue Materialien sind dazu gekommen, beeinflusst von neuen Möglichkeiten aus der Informatikwelt. Der Zugang zum Wasser ist wichtig, weil die Natur auf das entstehende Bild wirkt.  Patrick schwimmt oder wandert gerne jeden Tag, auch im kalten Wasser der Linth und im Walensee.  Die sprachliche Vermittlung der Kunst ist mittlerweile wichtig geworden. Der Künstler macht Führungen und tritt bei Symposien zu Themen der Natur auf.

Wissenschaftler interessieren sich für seine Arbeiten und Patrick kann sich im Kontakt mit der Naturwissenschaft weiterentwickeln.  Das Gelesene und Diskutierte wird systematisch geordnet und gesammelt. Eine Sammlung von Zeitungsartikeln, Büchern, Vorträgen ist entstanden und legt Zeugnis ab von Umwelt- und Naturkatastrophen. Es entsteht eine Reibungsfläche zwischen wissenschaftlicher Objektivität und der Subjektivität des Künstlers.   Das differenzierte Denken kann beim Betrachter*in zu Wahrnehmungsveränderungen und Eigenverantwortlichkeit führen.  Wissenschaft, Natur und Kunst treffen aufeinander; da die Dokumentationen und Inventarisierungen, dort das Streben nach Wahrheit und Wissen im Prozess. Hypothesen werden geprüft  und die Ergebnisse werden falsifiziert.  Nach Aussen ist die Wahrnehmung im Zentrum, die projektiv, selektiv und Sinn- und Gestaltgebend ist. Das Neue an Patrick Rohners  Kunst ist die Umsetzung der Naturphänomene mit neuen Hilfsmittel, Methoden und Techniken, im Hintergrund mit der Dokumentation des Prozesses und der Integration mit wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der aktuellen Forschung.

Der Herausgeber Johannes M. Hediger, Direktor von ILEA, Tenna schreibt zu den Arbeiten: „Der Fokus seiner Arbeit liegt auf der Natur beziehungsweise geologischen Phänomene und ihren malerischen Umsetzungen. Mit immer neuen Techniken, Medien und Methoden erweitert Patrick Rohner dabei kontinuierlich den Begriff des Landschaftsbildes. Die aktuelle Publikation vermittelt einen präzisen und fundierten Einblick in die Werkentwicklung der letzten zwei Jahrzehnte. Deutlich wird, wie sich in Patrick Rohners Schaffen und seiner vielschichtigen, transdisziplinären Auseinandersetzung mit seinem Kernthema Natur, die Grenzen von Kunst, Wissenschaft und Natur zunehmend auflösen und im gesamten Spektrum der von ihm eingesetzten Medien sowohl im Innen- wie im Aussenraum konsequent zu einem eigenständigen Kosmos verzahnen, der in seiner medialen Komplexität in der zeitgenössischen Kunst nahezu beispiellos ist“.

Eduard Hauser

 

Autor

Kulturblogger Glarus

Kontakt

Hauser Eduard
Blogger
Biäschenstrasse 10
8872 Weesen
hauser.eduard@gmail.com
079 375 81 99

Kategorie

  • Glarus
  • Graubünden

Publiziert am

08.09.2021

Webcode

www.glarneragenda.ch/dAZgpN